ProWein 2011 - Fachartikelserie: Nachhaltig erzeugte Weine mit Eleganz und Finesse
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ProWein 2011 - Fachartikelserie: Nachhaltig erzeugte Weine mit Eleganz und Finesse

22.12.2010 | Messe Düsseldorf Pressereferat ProWein
Internationale Weinexperten, die sich im Vorfeld der ProWein 2011 äußern, sehen einen Trend zu ökologisch bewusstem, nachhaltigem Weinbau sowie stilistisch zu einer stärkeren Orientierung auf Eleganz und Finesse. Wirtschaftlich dürfte sich das internationale Angebot 2011 nach einer reduzierten Ernte 2010 besser der Nachfrage anpassen
Fast in allen Weinländern greifen vermehrt sowohl einzelne Erzeuger wie ihre Verbände das Thema Nachhaltigkeit und umweltgerechten Weinbau auf. Von der Selbstverpflichtung des deutschen VDP zu umweltgerechter Produktion über europäische Spitzenerzeuger, die biodynamisch wirtschaften bis zur Schwerpunktsetzung der Überseeländer des Down2earth-Projekts auf der ProWein 2011: Nachhaltigkeit gewinnt an Bedeutung. In Kalifornien wird das entsprechende  Zertifizierungsprogramm Certified California Sustainable Winegrowing bereits von 1500 Weingütern und Produzenten umgesetzt, die 70 Prozent der Weinbauflächen bewirtschaften.

Alois Lageder, führender Qualitätserzeuger aus Südtirol, sieht hier ebenso einen internationalen Trend wie Hermann Pilz, Chefredakteur der deutschen Fachzeitschrift "Weinwirtschaft". Pilz weist darauf hin, dass der Trend zur Nachhaltigkeit sich allerdings etwas abgekoppelt habe vom Markt für Bioweine. Wer nachhaltig und umweltgerecht produziere, vermarkte nur noch zu einem kleiner werdenden Teil über Bio-Distributionskanäle. Für viele Erzeuger stünde die Produktionsweise nicht im Vordergrund ihres Marketing. "Man kann es auch so sehen," erklärt Pilz, "dass erheblich mehr Bio-Wein produziert als unter dieser Bezeichnung verkauft wird."

Noch eindeutiger weisen nahezu alle internationalen Experten auf stilistische Veränderungen hin. Alois Lageder nennt als Stichworte zum aktuellen Trend: "Elegante Weine, zugleich Verdrossenheit über opulente Weine; Weine, die Trinkfreude bereiten: frische, leichte Weine; weniger Alkohol; weniger holzlastige Weine." Joel Payne, Präsident der Internationalen Vereinigung der Weinjournalisten, Fijev, erklärt: "International sehe ich, dass die Kundschaft den Weinen mit viel Holz und Alkohol den Rücken kehrt. Vor allem leichtere Klassiker stehen hoch im Kurs."

Der Belgier Filip Verheyden, Herausgeber der englischsprachigen Vierteljahresschrift "Tong" prognostiziert: "Der gefragte moderne Weinstil wird sich von der Konzentration weg in Richtung Finesse bewegen. Beachtet man die Klimaerwärmung, so wird dies zu noch größeren Bemühungen um Alkoholmanagement in den Weinbergen führen. Veränderungen bei Erziehungsystemen und Rebschnitt, frühere Lese, Verwendung eines höheren Rappenanteils, um Struktur zu gewinnen, sind Stichworte dazu."

Michel Rolland allerdings, führender internationaler Berater mit Projekten in allen Erdteilen, rät dazu, diesen Aspekt nicht überzustrapazieren: "Wir sprechen viel über zu viel Alkohol, man muss sich aber nicht darauf versteifen. Jeder weiß, dass die Alkoholwerte gestiegen sind - aber nur um 1 oder 2 Punkte. Wir sind noch weit entfernt von 40 Volumenprozent. Man muss aufpassen, dass nicht Finesse und Delikatesse mit dünnen Weinen verwechselt wird. Viele Erzeuger machen Versuche mit Faßgärung bei Rotweinen, um feinere und seidigere Tannine zu erhalten, ohne Konzentration zu verlieren."

Mehrere Experten weisen unabhängig voneinander auf eine gewisse Rückkehr zu klassischen Herkünften hin. Hermann Pilz: "Burgund verkauft wieder besser. Am Beispiel Italien beobachten wir steigende Nachfrage nach Weinen aus dem Veneto oder aus dem Piemont." "Bewährte Marken und Herkünfte haben wieder größeren Stellenwert," stellt auch Alois Lageder fest. Eduardo Guilisasti, Vorsitzender des Vorstands von Concha y Toro, beobachtet Ähnliches bei Premiummarken, die dem Konsumenten verlässliche Qualität bieten.

Der Spanier Miguel Torres, CEO und Eigentümer des gleichnamigen Unternehmens, sagt dazu: "Ich glaube, dass die Konsumenten bekannte Marken vorziehen werden, die sich über Jahre bewährt haben und die ein gutes Preis-Qualitätsverhältnis bieten." Man könne sich aber nicht mehr auf die Kundentreue früherer Jahre verlassen: "Die Leute sind unabhängiger geworden. Sie wollen experimentieren und nutzen ihr Weininteresse auch, um Neues kennen zu lernen."

Die Erholung der internationalen Konjunktur und ein reduzierter Jahrgang 2010 tragen dazu bei, dass sich Angebot und Nachfrage ausgeglichener als im Vorjahr begegnen. Sowohl die weltweite Weinfläche als auch die Weinproduktion gingen 2010 im Vergleich zum Vorjahr zurück, wie das internationale Weinamt OIV mitteilt. Der Rückgang der weltweiten Weinflächen betrug etwa 70.000 Hektar. Vor allem in den südeuropäischen Ländern Italien, Spanien, Portugal und Frankreich wurden - mit Zuschüssen der EU gefördert - Rebflächen gerodet. In Australien und Südafrika ging die Rebfläche ebenfalls zurück, während sie in Chile und Argentinien weiter wuchs.

Der Weinjahrgang 2010 brachte weltweit etwa 260 Mio. Hektoliter Wein, 10,7 Mio. oder 4 Prozent weniger als im Vorjahr. Fast alle europäischen Länder außer Spanien haben im gerade zu Ende gegangenen Herbst weniger geerntet. Auch in der südlichen Hemisphäre sowie in den USA gab es weniger Trauben als 2009. Eine Ausnahme bildet Argentinien, das im Vorjahr besonders wenig Ertrag hatte.

Hermann Pilz sieht aufgrund der sehr kleinen deutschen Ernte eine mögliche Verschiebung am weltweit größten Importmarkt Deutschland: "Die deutschen Weine können aufgrund der kleinen Ernte im kommenden Jahr ihren Marktanteil nicht halten. Das bringt ausländischen Weinen am wichtigen deutschen Markt bessere Absatzchancen."

Wieder positiver als während der Krisenjahre 2008 und 2009 sieht man die weltweiten Konsumtendenzen. "Das Jahr 2010 hat einige Anzeichen für eine Erholung der Weltwirtschaft gebracht, wenn auch nicht in allen Ländern," stellt Eduardo Guilisasti fest. Dies habe in seinem Unternehmen zur Folge gehabt, dass  Premiummarken stärker wachsen als einfache Weine. Mehrere Experten berichten von der Bereitschaft, etwas mehr Geld für Wein auszugeben. Joel Payne weist allerdings auch auf Grenzen hin: "Nach der wirtschaftlichen Krise ist ein wenig Vernunft im Einkaufsverhalten eingekehrt. Die Bereitschaft viel Geld für überteuerte Weine zu bezahlen ist begrenzt." OIV-Präsident Federico Castelluci rechnet angesichts niedrigerer Weinmenge und wachsendem Konsuminteresse mit steigenden Weinpreisen.

Mittelfristig sieht Eduardo Guilisasti dynamische Märkte vor allem in Asien, Lateinamerika und auf dem europäischen Festland. Peter Hayes, der stellvertretende Präsident des OIV, warnt allerdings davor, die Absatzchancen auf wachsenden Weinmärkten wie Brasilien oder China zu überschätzen. Es sei nicht klar, ob sich Wein in diesen Ländern auf breiter Front durchsetzen werde. Hinzu komme, dass in den Staaten selbst große Mengen an Wein produziert werden. China sei bereits heute fünftgrößter Konsummarkt, bediene jedoch die Nachfrage sehr weitgehend aus eigener Produktion und zeige sogar verstärkt Interesse, selbst zu exportieren.

Der Autor Jürgen Mathäß ist seit über 20 Jahren als Journalist tätig und schreibt ausschließlich über Wein. Nach dem Abschluss seines Studiums (Volkswirtschaftslehre) und Erfahrungen in der Wirtschaft begann er zunächst mit dem Schreiben über Wirtschaftsthemen. Seit seiner Tätigkeit als Chefredakteur der Fachzeitschrift "Weinwirtschaft" (1986-1992) beschränkt er sich als selbständiger Journalist und Berater auf das Thema Wein.


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