China-Knigge — So speist es sich im Land der Mitte
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China-Knigge — So speist es sich im Land der Mitte

26.08.2014 | Beil² - Die PR-Strategen GmbH
In China gelten andere Regeln als in Europa. Trotz eines extremen Wandels im Reich der Mitte und einer Annäherung an den Westen, bestehen in der Volksrepublik nach wie vor viele uns fremde Bräuche. Doch woher kommen sie, die zahlreichen Traditionen? Mary-Ann Kwong führt gemeinsam mit Ihrer Familie das Dim Sum Haus, Hamburgers ältestes Chinarestaurant. Sie ist Expertin, wenn es um runde Tische, Stäbchen, Anstoßen und volle Teller geht
Eingang vom Restaurant Dim Sum Haus, gleichzeitig Bildquelle
Eingang vom Restaurant Dim Sum Haus, gleichzeitig Bildquelle
Für viele Europäer bedeutet eine Reise nach China eine große Herausforderung: Bereits bei einem Restaurantbesuch im Land der Mitte oder einem gemeinsamen Dinner in einer interkulturellen Gesellschaft entstehen oft Irritationen.

„Die chinesischen Tischregeln entstanden durch eine Jahrhundertelange Tradition und sind tief in der Kultur des Landes verankert. Da ist es kein Wunder, dass viele der Rituale Europäern zunächst merkwürdig erscheinen“, sagt Mary-Ann Kwong und erklärt die größten Kuriositäten ihres Heimatrestaurants.

Runde Tische
Betritt man ein chinesisches Restaurant, so fallen meist große runde Tische mit einer sich drehenden Scheibe in der Mitte auf. Diese bewegliche Platte vereinfacht das Auftischen aller aufgetragenen Speisen. Während es in Deutschland typisch ist, dass jede Person ein Essen bestellt, nimmt in China das Teilen einen hohen Stellenwert ein. Unter dem Motto „Mein Essen ist auch dein Essen“ zollen die Chinesen ihren Begleitern Respekt und Anerkennung.

Bei der Tischordnung ist zu beachten, dass die wichtigsten Gäste am nächsten zum Gastgeber sitzen und als erstes, mit den besten Stücken, bedient werden. Wenn es sich um ein Familienessen handelt, erhält der Rangälteste die Leckereien seiner Wahl. Während die Reihenfolge des Servierens nach festen Vorschriften verläuft, gibt es im Vergleich zu vielen westlichen Ländern keine klassische Speisereihenfolge. Üblicher Weise werden viele Speisen gleichzeitig bestellt - Je festlicher der Anlass, desto größer die Auswahl an Gerichten.

Da gemeinsam Essen in China zudem oftmals mit einem erhöhten Geräuschpegel verbunden ist, beherbergen viele Restaurants mehrere abgetrennte Nischen oder auch VIP Räume, in denen sich die Gäste, falls gewollt, ungestört unterhalten können.

Anstoßen
Während der Mahlzeiten wird im Land der Mitte gerne mit Schnaps angestoßen. Um sich nicht direkt als Kulturbanause zu entpuppen, sollten Restaurantgäste auch hier einige Feinheiten beachten: Durch die in China ausgeprägte Wertschätzung ranghöherer Positionen, wird das Glas gegenüber Übergeordneter beim Anstoßen mit beiden Händen gehalten. Eine Hand hält das Glas „normal“, die andere stützt den Glasboden von unten ab.

Wichtig ist, dass die Handfläche hierbei nach oben zeigt. „Der so gezollte Respekt wird zusätzlich dadurch unterstrichen, dass das eigene Trinkgefäß etwas niedriger gehalten wird, als der Becher des Gegenübers“, ergänzt Mary-Ann Kwong.

Stäbchen
Egal ob aus Bambus, Jade, Holz, Plastik oder Metall – Stäbchen ersetzen in China das uns bekannte Besteck. Im Gegensatz zur Gabel wird das Essen mit den Chopsticks jedoch nicht aufgespießt, sondern „kultiviert“ in kleinen Happen gegriffen oder ein wenig ‚zurecht geschaufelt‘. „Des Weiteren sollten Gäste ihre Stäbchen nach Gebrauch nicht in den Reis stecken“, klärt Mary-Ann Kwong auf. „In ihrer Form erinnern sie dann an Räucherstäbchen, die unter anderem bei Beerdigungszeremonien zum Beten benutzt werden.

Aus diesem Grund gilt der stehende Gabelersatz in China als ein Symbol für den Tod.“ Stattdessen sollten Gäste die Sticks neben den Teller legen und darauf achten, dass die Mundseite auf einem Schälchen oder Knocheneller liegt. „Die chinesische Essenskultur ist kompliziert, aber mit ein wenig Einfühlungsvermögen ist auch diese Hürde leicht zu nehmen“, lacht die Inhaberin.

Volle Teller
Während Kindern in Deutschland gelehrt wird, dass leere Teller für Sonnenschein sorgen und somit erstrebenswert sind, stehen selbige in China für geringe finanzielle Möglichkeiten. Auch heute noch herrscht in vielen Teilen des Landes große Armut; Großzügig mit Nahrungsmitteln umzugehen, ist ein Zeichen von Wohlstand und materieller Unabhängigkeit.

Im Gegenteil zu dem uns bekannten deutschen Verhaltenskodex ist es in China eine Blamage für den Gastgeber, wenn seine Gäste ihre Teller komplett leer essen. Oft werden riesige Mengen verschiedenster Speisen aufgetischt, die die Gäste auch beim besten Willen nicht vertilgen können. All das, damit ein angemessenes Maß an übrig gebliebenen Speisen erreicht wird und am Ende ein „Anstandsstück“ liegen bleibt.

Über das Dim Sum Haus Kirchenallee 37, 20099 Hamburg:
Es ist das älteste noch bestehende, chinesische Restaurant in Hamburg. Seit 1964 gibt es das kleine Lokal im Herzen St. Georgs, das bereits in dritter Generation von Familie Kwong geführt wird. Vier Spezialitätenköche aus China sind in der Küche des Hauses tätig, um die kulinarische Tradition des Landes zu wahren und die authentische Zubereitung der Gerichte zu gewährleisten – das wird nicht nur von den in Hamburg lebenden Chinesen, sondern auch von Promis und Staatsoberhäuptern geschätzt.


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