Luxushotellerie im Umbruch - Die 'Software' als wichtige Herausforderung
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Luxushotellerie im Umbruch - Die 'Software' als wichtige Herausforderung

04.04.2012 | K & P Tourismusberatung München GmbH

Der Begriff und das Verständnis von Luxushotellerie haben sich verändert. Kohl & Partner analysiert die Luxushotelentwicklung in Wien und zeigt Ansätze für "Invisible Green" in dieser Hotelkategorie auf, die auch über die Grenzen von Österreich hinaus von Bedeutung sind

Vorbild nicht nur in punkto Nachhaltigkeit: Das Kameha Grand Bonn / Bildquelle: Sascha Brenning - Hotelier.de
Vorbild nicht nur in punkto Nachhaltigkeit: Das Kameha Grand Bonn / Bildquelle: Sascha Brenning - Hotelier.de

Lange war die Luxushotellerie in Europa von traditionsträchtigen Grandhotels geprägt, die sich neben ihrer hochwertigen Ausstattung und hohen Servicequalität vor allem durch ihre Geschichte auszeichneten. Ein Wandel in den Zielgruppen, speziell ihrer Ansprüche und ihrer Selbstdefinition, war der Auslöser für einige internationale Hotelketten, neue Hotelprodukte zu entwickeln.

Hierzu zählen Brands wie Bulgari, Edition, W, Missoni oder Armani welche sich speziell unter Zuhilfenahme von etablierten Labels positionieren. Zudem sind in den vergangenen Jahren asiatische Hotelketten nach Europa vorgedrungen. Der Begriff und auch das Verständnis von Luxushotellerie haben sich verändert, die Herausforderungen werden immer größer.

Nicht nur dass sich die Luxusgäste ("new rich") und damit ihre Anforderungen verändern, es gibt vielmehr den typischen Luxusgast nicht mehr, denn durch hybrides Kaufverhalten erkennt man ihn z. B. nicht mehr an seinem Aussehen und Auftreten.

Aktuelle Entwicklung Luxushotellerie in Wien und Österreich gesamt
In Wien sind die Nächtigungen 2011 im 5-Stern-Segment um 12,43 % im Vergleich zum Vorjahr gestiegen (1,4 Mio.). Das Angebot ist im selben Zeitraum um ca. 3,5 % gewachsen (Eröffnung Sofitel, Stichtag Mai 2011).

Insgesamt hat Wien ein Angebot von rund 3.600 Zimmern im 5-Stern-Segment. Wien erwartet in den kommenden Jahren einen weiteren Kapazitätsanstieg von rund 14 % im Top-Luxussegment, unter Berücksichtigung der bestätigten bzw. in Bau befindlichen Projekte (Ritz Carlton, Park Hyatt, Kempinski). Zudem entstehen neue Luxus-Boutique-Hotelkonzepte wie "The Guesthouse" oder "Sanssouci".

Insgesamt ist diese Entwicklung als positiv für den Gesamtmarkt Wien zu sehen, da Luxushotelprojekte mit internationalen Brands neue Gästeschichten erschließen und die Möglichkeit besteht, die in Wien im internationalen Vergleich niedrigen Durchschnittspreise anzuheben.

Außerhalb von Wien ist die 5-Stern-Hotellerie in Österreich ein "westlastiges" Produkt und überwiegend inhabergeführt. Internationale Marken sind im Alpenraum kaum zu finden, Ausnahmen bilden beispielsweise Schloss Fuschl, das Kempinski-Hotel Das Tirol (Jochberg) und das von Falkensteiner geführte Hotel Schloss Velden.

Nachhaltigkeit in der Luxushotellerie - Wie geht das?
Die Senkung von operativen Kosten war bisher häufig der Treiber des ökologischen Engagements in der Hotellerie. Überfluss und Verschwendung sind Begriffe, die gern mit Luxus in Verbindung gebracht werden.

Daher stellt sich die Frage, wie die Begriffe Nachhaltigkeit und Luxushotellerie zusammenpassen, wenn man dabei vor allem den eigentlichen Sinn der Nachhaltigkeit, also Schonung von Ressourcen und die CO2-Reduktion berücksichtigt. Was in anderen Hotelkategorien geht, wie z. B. ein Schild im Bad mit "Handtücher weiterverwenden", ist aus Sicht vieler internationaler Hotelketten im Top-Segment undenkbar.

Unter anderem tragen auch Klassifizierungsrichtlinien und die Interpretationen der Hotelketten dazu bei, dass Ressourcen in der Luxushotellerie verschwendet werden. So wird z. B. Seife nach einmaligem Gebrauch ausgetauscht, auch wenn der Gast länger im Zimmer bleibt, oder es werden beim täglichen Turn-Down-Service das Licht und der Fernseher eingeschaltet, obwohl der Gast erst mehrere Stunden später in sein Zimmer zurückkommt.

Energieressourcen könnten u. a. auch gespart werden, wenn es in Luxushotels einen Master Key zur Lichtsteuerung gäbe. Hotelbetreiber sind häufig jedoch der Meinung, dass dies dem Luxusgast nicht zumutbar ist. Das größte Problem ist somit die Kommunikation von notwendigen Maßnahmen zur Schonung der Umwelt an den Gast.

Möglichkeiten im Bereich Nachhaltigkeit bieten sich in der Luxushotellerie vor allem in versteckten technischen Bereichen, die den Gast nicht direkt beeinflussen ("invisible green"). Beispiele wären hier Gebäudezertifikate, LED-Beleuchtung oder die Verwendung von hochwertigen, ökologisch einwandfreien Materialien in der Errichtung (Leder, Stoffe etc.).

In der täglichen Operation gibt es Möglichkeiten vor allem beim Einkauf der Lebensmittel (mehr regionale Produkte, Fair-Trade-Produkte etc.), allerdings gibt es auch hier Einschränkungen, da oft die Vielfalt und das Exotische noch als Luxus angesehen werden.

Insgesamt wird die Etablierung einer "Green" Luxury Brand als schwierig erachtet, da die Kommunikation nach außen wenig glaubwürdig wäre und es in der Luxushotellerie ein Ziel ist, die Wünsche und Anforderungen der Gäste zu erfüllen und niemals aus den Augen zu verlieren.


Nähere Informationen:
Mag. Susanne Kraus-Winkler
Kohl & Partner Tourismusberatung GmbH
Wallnerstr. 3, A-1010 Wien
Tel. 0043 (0) 1 5326335,
E-Mail: kraus-winkler@kohl.at">kraus-winkler@kohl.at

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