PICCOLO! aus "Sternenzimmer und andere Hotelgeschichten"
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PICCOLO! aus "Sternenzimmer und andere Hotelgeschichten"

10.02.2014 | BUCH CONTACT
'Piccolo' - lesen Sie eine weitere story aus dem Buch "Sternenzimmer und andere Hotelgeschichten"
Der Piccolo, er tat seinen Dienst an der Rezeption und am Aufzug, ist ein netter kleiner Kerl. Sieht in seiner Dienstuniform entzückend aus, erinnert mich an meinen jetzt bereits Dreiunddreissig jährigen Sohn, doch ist dieser seiner Entzückendphase bereits längst entflogen. Ich freundete mich mit Carlos, so heisst der junge Hotelangestellte, während meines Ferienaufenthaltes beinahe an und so kam es, dass wir öfter miteinander über Gott und die Welt, das Wetter, die Schneeverhältnisse und die Laune des Küchenchefs sprechen, wobei ich darauf achte ihn gleich wieder aus meiner Aufmerksamkeit zu entlassen, wenn seine Pflicht ruft. Und das ist nicht selten, sodass unser Gespräche aus Fetzen, Gesprächsfetzen meine ich, besteht und somit keinen Gesamtzusammenhang den ich als Wissenschafter stets suche, ergibt.

Keinen Zusammenhang?
So dachte ich bis heute in der Frühe!

Doch jetzt nach unserer letzten, abgerissenen Gesprächsseite, bis jetzt ergab das Buch der Unterhaltungen mit dem Piccolo keinerlei Sinn, jetzt jedoch, beginne ich zu verstehen.
Heute Morgen sieht mir Carlos als ich fotografiere lange zu, er hat soeben, nach dem Nachtdienst seine Zimmerstunde angetreten, bittet mich um die Erlaubnis ein Bild von mir zu schiessen, wobei das Wort schiessen aus seinem Mund , von seiner jungen Zunge ausgesprochen, wie ein schallgedämpfter Pistolenschuss klang.

 "Wir sind ja Freunde und ich will ein Erinnerungs-Pic von Ihnen haben. Lassen Sie uns nach draussen gehen."
Ich deute ein Kopfnicken an.

Wir schreiten in den Hotelpark der aus uralten, Moosbewachsenen Bäumen besteht.
Er nimmt sein mobiles Telefongerät in die Hand, richtet dieses auf mich. Ich hörte den Zoom leise zischelnd mein Porträt suchen und schon erscheint ein Blitz der mich arg blendet.
"Darf ich noch einige wenige schiessen", wieder dieser, an einen Krimi erinnernden. Lärmreduzierte Pistolenknall. "Man weiss ja nie wie lange das möglich ist. Herzinfarkte. Verkehrsunfälle. Verstopfte Schlagadern. Hirntod. Bumms ist es bereits geschehen. Aus und Futsch. So schnell kann es gehen. Und dann kein Pic mehr. Einzig leere Erinnerung bleibt.
Ich aber will ein Bild von Ihnen."

"Ach, sag doch Du zu mir, ich heisse Maximilian, man nennt mich Mac. Oder Maxi. Einverstanden?"

Ich finde es wirklich an der Zeit, dass wir uns auch verbal näher kommen. Als Antwort ein erneuter Blitz und elektronisches Verschlussgreinen.

Leises Kopfnicken dazu. Und ein Brummen das nach "wenn es Dir so gefällt…" tönt.
"Noch zwei weitere bitte".
Jetzt mit seiner klaren, hellen Stimme die ich so mag.
"Man weiss wirklich nie. Pilzvergiftung, Hornissenüberfall. Meuchelmord. Geplatzter Blinddarm. Das Leben ist verdammt gefährlich. Lebensgefährlich. Oder denk nur an Kreeeebs."
Mit sieben lang gezogenen E's , bekundet Carlos seine Abscheu, seinen Ekel vor einem solchen Zerfall.
So nehme ich jedenfalls an.
Mich gruselt ob der Worte des Piccolos.

Muss sich wohl zu viele DVD's zu Gemüte führen.
Ein Krimifreund.
Zukünftiger Hotel Detektiv?
Oder bereits jetzt?
Was heckt der Kerl gegen mich aus?
So ein unschuldiges Lärvchen.
Was steckt dahinter?
Will er mir eine Falle stellen?
Wird er gleich meine Fingerabdrücke abnehmen.
Auf geschickte, verdeckte Weise natürlich!
"Darf ich Sie, oh Entschuldigung, ganz vergessen, Dich bitten auch eines von mir zu schiessen?"

Ein sanfteres Päng jetzt. Wer will sich schon selbst mit Stimmpistolenschüssen Schmerz zufügen?
Da ist sie,  die Fingerabdruckfalle!
Ich weigere mich.
Verneine.
Mache auf meine Drahtlostelefonstrahlungsallergie aufmerksam.
"Eine vertrackte Sache", betone ich und wedle horizontal mit meinem Kopf.

"Verstehe", antwortet der Piccolo, aber kannst Du die Kameratasche kurz für halten. In ihr entsteht keine Strahlung. Damit ich beide Hände für" ein leichtes Überlegungszittern erfasst sein linkes Augenlid, "zum Schnürsenkel binden frei habe".

Doch weit und breit kein offener Schnürsenkel. Wo sollten sich denn in Slippern, die Carlos trägt, Schnürsenkel befinden?

Er bückt sich trotzdem und, ich kann es kaum fassen, nestelt an meinem linken Schuh, der Schnürsenkel besitzt. Ob dieser offen ist kann ich nicht mehr feststellen. Zu spät! Jetzt ist er zugeschnürt. 

Doch ich halte des Piccolos Kameratasche in der Hand und er besitzt jetzt meine Fingerabdrücke und die DAN Schlüssel zu meinem Wesen.

Somit bin ich ihm für alle Zukunft bis weit nach meinem Tode ausgeliefert, folgere ich blitzschnell.

Und da, ist es erneut reiner Zufall, oder eine Verkettung von unglücklichen oder glücklichen Umständen werde ich von einem Blitz der vom Himmel hernieder zuckt so geblendet, dass ich nur noch Sternchen sehe. Gleichzeitig und nicht Zeit verschoben knallt ein Donnerschlag, als falle der Globus in Millionen Lärmpartikel in sich zusammen.
 
Ich stehe wie zur Salzsäule erstarrt da.
Unbeweglich.
Den Elementen ausgeliefert.
Denn in der Zwischenzeit hat ein prasselnder Regen eingesetzt, gefolgt von kleinen Hagelkörnern die rasch zu Taubeneiergrösse anwachsen Ein erneuter hellster zuckender Schein.

Schmerz!
Kein Donnerknall.
Kein Carlos mehr.
Und alles versinkt in tiefste Dunkelheit.
"Aber von Blitzschlag hat Carlos doch nicht gespr…"

Der Buch ist erschienen bei Allitera.de


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