Bahn Streik aktuell: Ein Tag ohne Bahn - das hätte Deutschland zu erwarten
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Bahn Streik aktuell: Ein Tag ohne Bahn - das hätte Deutschland zu erwarten

18.10.2014 | GoEuro
Die Bahn streikt. Und auch wenn nur die Lokführer der GDL zeitweilig in den Ausstand treten, hat das vor allem eins zur Folge: Chaos. Doch was wäre, wenn die Bahn für einen ganzen Tag nicht mehr fahren und sämtliche Bahnmitarbeiter zu Hause bleiben würden?
Es wäre trist so komplett ohne die Bahn... / Foto © Sascha Brenning - Hotelier.de
Es wäre trist so komplett ohne die Bahn... / Foto © Sascha Brenning - Hotelier.de
Die Berliner Reisesuchmaschine GoEuro, die mit nur einer Suche Bahn-, Bus-, Flugzeug- und Autoverbindungen vergleicht, hat einige interessante und zum Teil skurrile Zahlen und Fakten gesammelt, was ein Komplettstillstand bei der Bahn bedeuten würde.

1. Viel Freizeit
Die Deutsche Bahn beschäftigt fast 300.000 Mitarbeiter, knapp 200.000 davon arbeiten in Deutschland. Geht man nun von einem regulären einem Acht-Stunden-Arbeitstag aus, kommen letztere zusammen auf 1,6 Millionen Arbeitsstunden. Zum Vergleich: Der bisherige Aufbau des Miniatur Wunderlands in Hamburg dauerte unglaubliche 580.000 Stunden. Das schafft die Bahn an einem Tag gleich drei Mal.
 
2. Umsatzrückgang
Im Jahr 2013 machte die Bahn einen Umsatz von über 39 Milliarden Euro. Auf einen Tag gerechnet spülen Kunden täglich also mehr als 107 Millionen Euro in die Kassen der Bahn. Mit 107 Millionen Euro wäre der HSV auf einen Schlag schuldenfrei, könnte sich Bernie Ecclestone ein zweites Mal freikaufen oder die Berliner Flüchtlingsbetreuung ein Jahr lang bezahlt werden.
 
3. Kilometer
Die Züge der Bahn legen jeden Tag eine Strecke von 2,7 Millionen Kilometern zurück. Damit kommt man fast 70 mal um die Welt und immerhin drei mal zum Mond und zweimal wieder zurück. Im Jahr fahren die insgesamt 39.000 Züge eine Milliarde Kilometer zusammen: Das reichte aus, um der Sonne dreimal einen Besuch abzustatten - und wieder zurück zukehren.
 
4. Passagierflut
2,2 Milliarden Passagiere zählt die Bahn im Jahr (Stand 2013). Fällt die Bahn nur einen Tag aus, müssen sechs Millionen Menschen eine alternative Transportmöglichkeit finden. Zum Beispiel das Auto...
 
5. Energiebilanz
... und das Auto hat eine sehr viel schlechtere CO2-Bilanz als der Zug: 150g CO2 gegenüber 40g der Bahn pro Kilometer und Passagier. Würden alle sechs Millionen Bahnreisende auf das Auto umsteigen, gelangten 660 Tonnen mehr Schadstoffe in die Luft – pro gefahrenden Kilometer.
 
6. Flughafenchaos
Zum Glück könnten Reisende ja noch auf das Flugzeug ausweichen. Allein der Abtransport in die City könnte ohne Bahnverkehr jedoch zum Problem werden: Für über 25.000 Flugreisende organisiert die Bahn beispielsweise am Frankfurter Flughafen täglich die Weiterreise. Das dürften auch Busse und Taxen kaum kompensieren können.

Die Flughäfen könnten die Bahn durch erweiterbare Kapazitäten allerdings entlasten, wie ein Sprecher des Flughafens Frankfurt gegenüber GoEuro bestätigte. Durch die neue Landebahn seien weitere Kapazitäten vorhanden, auf die sich das Bodenpersonal mit etwas Vorlaufzeit einstellen könnte.

Vorrangig würde es aber ein Problem der Airlines sein, zusätzliche Flugzeuge zu beschaffen. Dazu die Zahl einer der größten innerdeutschen Fluggesellschaften, Germanwings, die laut Unternehmensangaben jeden Tag etwa 13.000 Menschen in Deutschland befördern.

7. Die Straßen sind dicht
Die Bahn ist ein sehr sicheres Transportmittel. Nennenswerte Unfälle mit Personenschäden gab es in den letzten Jahren nicht. Anders beim Auto: Pro Tag zählt der ADAC 6500 Verkehrsunfälle, bei denen über 1000 Menschen zu Schaden kommen. Durch einen Stillstand bei der Bahn wären kilometerlange Staus und Unfälle vorprogrammiert.
 
8. Schienennetzwerk liegt lahm
Deutschland hat das längste Schienennetz in Europa und das dritt dichteste der Welt. 40.000 Kilometer Schiene lägen einen Tag brach. Immerhin internationale Bahnunternehmen könnten das Netz weiter nutzen: Streckenwärter, der sich unter anderem um die Weichenstellung kümmert, ist seit 1994 nicht mehr die Deutsche Bahn, sondern die eigenständige DB Netz AG.

9. Investitionsdilemma
Jeden Tag investiert die Bahn etwa 22 Millionen Euro in seine Infrastruktur, den Personenverkehr und in die Logistik. Bleiben diese Investitionen aus, nimmt auch die freie Wirtschaft Schaden: Tausende Unternehmen, vom Zulieferer bis zum Maler und Lackierer, sind auf den “Auftraggeber” Deutsche Bahn angewiesen.

10. Könnten alternative Anbieter das Chaos auffangen?
Deutschlands Transportnetz für Pendler und Reisende ist von der Bahn abhängig. Der Fernbusmarkt ist noch zu klein, um sechs Millionen Menschen zu befördern. Vor allem in den ostdeutschen Bundesländern hätten Bewohner wohl Probleme, einen Fernbus als alternatives Transportmittel zu wählen.

In den neuen Bundesländern gibt es deutlich weniger Haltestellen als in alten und schon im Normalbetrieb eine Unterversorgung (Quelle: http://www.goeuro.de/fernbuskarte). In Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen Anhalt, Thüringen, Mecklenburg Vorpommern werden 58 Städte von den 9 größten Busunternehmen angefahren, in Bayern alleine 89.

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