Brandschutz Hotellerie: Behörden greifen durch
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Brandschutz Hotellerie: Behörden greifen durch

09.06.2015 | Carsten Hennig

Mangelnder Brandschutz: Hotels werden geprüft

(Rüsselsheim, 05. Juni 2015) Die Hotellerie steht unter Beobachtung: Nach der furchtbaren Brandkatastrophe in einem zum Hotel umgebauten Bauernhof in Schneizlreuth — sechs Hotelgäste starben — werden Behörden in ganz Deutschland die Brandverhütungsschauen verstärken und bei Verstößen hart durchgreifen, bis zu Zwangsschließungen.

Darauf weist der aus dem TV bekannte Hotelsicherheits-Experte Ulrich Jander hin. In Karlsruhe kommt es derweil zu einem Showdown zwischen einem Hotelier und der Stadt — sein Traditionsbetrieb „Badisch Brauhaus” samt Allvitalis Traumhotel soll wegen Brandschutzmängel sofort stillgelegt werden.

Der Hotelbetreiber des von dem tragischen Brandunglück in Schneizlreuth betroffenen Gasthofes wurde verhaftet

Es bestehe Fluchtgefahr, heißt es. Sie hatten ja kurz nach der Katastrophe mit sechs Toten Befürchtungen geäußert, dass da mehr dahinter steckt. Was bedeutet das tragische Ereignis eigentlich für die Hotellerie?

Ulrich Jander: „In den nächsten Wochen werden verstärkt Brandverhütungsschauen in Hotels und anderen Beherbergungsbetrieben durchgeführt. Schwarzbauten oder Hotels, die Nutzungsänderungen nicht bei den zuständigen Behörden angezeigt haben, werden wohl geschlossen. In der vergangenen Woche wurde bereits ein Haus von Amts wegen geschlossen — und es werden noch mehr werden.”

Wird der 'Brandschutz Hotellerie' nun stärker beachtet?

Jander: „Das wird ein mächtiges Erdbeben in der Hotellerie hervorrufen. Wir weisen seit Jahren auf dieses Thema hin, aber es verhallt immer im Nebel. Es muss erst ein tragisches Unglück mit sechs Toten geben wo dann die Politik aufwacht.”

Brauchen wir schärfe Gesetze und Verordnungen für besseren Brandschutz?

Jander: „Nein! Wir haben hier eine klare Gesetzeslage, die nur umgesetzt werden muss. Das Problem was wir haben, ist, dass es an ausgebildeten Brandschützern fehlt, die die Brandverhütungsschauen durchführen. In den Städten ist es kaum ein Thema, da gibt es die entsprechen Fachabteilungen. Aber auf dem Land sieht es sehr schlecht aus. Da gibt es Regionen, die haben noch nie eine Brandverhütungsschau durchgeführt. Oder der Feuerwehrkommandant kommt dann mal auf ein Bier vorbei und dann heißt es: ‘Passt schon.’”

Muss noch härter durchgegriffen werden?

Jander: ”Nein, eigentlich nicht. Deshalb gibt es ja auch den Tatbestand der Amtsträgerhaftung. Das bedeutet: Die verantwortliche Behörde muss bei einem eintretenden Schadensereignis darlegen, was sie getan hatte, um Schaden für Leib und Leben abzuwenden. Da wird u.a. geprüft, ob Begehungen durchgeführt wurden und die fälligen Dokumentation gecheckt wurden.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaften gehen auch schnell in alle Richtungen — gegen Hotelbetreiber, Vermieter, Bauamt, Feuerwehr, Elektriker, Sicherheitsfachkraft, Ordnungsamt. Ich sehe es ja nahezu täglich. Gerade große Hotels wollen es oft gar nicht so genau wissen, wo ihre Mängel sind.

Bei unseren Begehungen dokumentieren wird alles, schreiben auf was fehlt. Gerade auch in unseren Arbeitsschutzordner ist das Thema Baugenehmigung ein wichtiger Punkt: Schon seit Jahren fragen wir auch nach den Genehmigungen generell nach, Räumungsübungen usw.”

Wie steht es um den Brandschutz in der Hotellerie allgemein?

Jander: ”Ich schätze, dass in Deutschland etwa sechs Prozent der Hotels über fehlende Baugenehmigungen, Nutzungsänderungen oder fehlerhafte Beherbergungsgenehmigungen stolpern werden. Hier werden die Brandschutzbehörden genau hinschauen, ob das Hotel mit der Baugenehmigung übereinstimmt. Auch wenn Sie einen Betrieb haben, der vielleicht vor 30 Jahren mal genehmigt wurde, zwischenzeitlich aber umgebaut oder erweitert worden ist, ist somit die Betriebserlaubnis dann so nicht mehr gültig. Der Betrieb kann dann geschlossen werden.”

Wie reagieren die Versicherungen?

Jander: ”Die Versicherungen werden Zahlungen hier verweigern. Erst einmal, wenn keine Betriebserlaubnis vorliegt, ist das ein Verstoß gegen die Versicherungsbedingungen und somit ist die Versicherung frei von Leistungen.”

Was ist nun zu tun in Sachen Brandschutz & Hotellerie?

Jander: ”Ich empfehle, nun alle wichtigen Unterlagen zusammenzusuchen: Baugenehmigung, Betriebserlaubnis, Brandschutzkonzept, Baupläne. Mit dem zuständigen Architekten sollte man den aktellen Gebäudezustand abklären. Auch die zuständige Versicherung sollte dazu eingeladen werden. Dann sollte ein Protokoll angeferigt werden, damit man auch eine entsprechende Dokumentation hat.”

Sind nun wirklich weitere Zwangsschließungen zu erwarten?

Jander: ”Gerade privat geführte Hotels werden ganz schön ins Wanken kommen. Aber Hoteliers, die auf Sicherheit Wert legen und alle Unterlagen zusammenhaben, können sich relativ entspannt zurücklehnen. Allerdings sollte man sich auch richtig beraten lassen. Externe Sicherheitsfachkräfte müssen zum Beispiel entsprechend gut versichert sein.”

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