Biofach 2016 Nürnberg: Bio Umsatz und Zukunftsstrategien
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Biofach 2016 Nürnberg: Bio Umsatz und Zukunftsstrategien

04.12.2015 | biofach.de

Branchenvertreter diskutieren Zukunft des Handels auf der Biofach 2016 Nürnberg - Vertrauen als neue Währung für die Kunden - Food-Branche auf dem Weg von „Science” zu „Romance” - Wachstumschance digitale Vernetzung

Vom 10. bis 13. Februar 2016 zeigen auf der BIOFACH, Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel, erneut über 2.400 Aussteller die globale Bio-Vielfalt — 200 davon auf der VIVANESS, Internationale Fachmesse für Naturkosmetik. Diese feiert dann ihr 10. Jubiläum. Auf den beiden Business- und Handelsplattformen rückt neben produkt-orientierten und politischen Themen auch die Zukunft des Handels in den Fokus. Anlaufstelle für BIOFACH-Besucher speziell aus dem deutschen Naturkostfachhandels und den Reformhäusern sind auch 2016 das Fachhandelsforum und der Fachhandelsclub.

Im Bio-Markt werden die Weichen für die Zukunft neu gestellt

Die steigende Kundennachfrage kann in immer mehr Einkaufsstätten gedeckt werden. So hat sich beispielsweise mit der Listung von Alnatura bei Edeka seit Jahresbeginn die Anzahl der Verkaufsstätten allein für dieses Sortiment auf 7500 verdoppelt. Bio ist längst keine Nische mehr. Der Weg von Bio in den Mainstream stellt unter anderem den Fachhandel vor neue Herausforderungen.

Bereits im Jahr 2014 legte der deutsche Bio-Markt um 4,8 Prozent auf einen Umsatz von 7,91 Mrd. zu, so der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Berlin (D), der nationale ideelle Träger der BIOFACH. Davon profitierte insbesondere der Fachhandel mit einem Plus von 9 Prozent. Im ersten Halbjahr 2015 gaben die privaten Haushalte für Bio 8,4 Prozent mehr aus als im Vorjahreszeitraum. Der Fachhandel konnte im gleichen Zeitraum sogar um 10,5 Prozent zulegen, so die Erhebungen der Kommunikationsberatung Klaus Braun, Speyer (D). Zum Jahresende 2015 wird der Gesamtumsatz mit Bio die 8 Milliarden-Schwelle überschreiten.
 
Ein guter Zeitpunkt, um über die Zukunftsausrichtung des Fachhandels zu diskutieren, fand das Branchenmagazin BioHandel, Aschaffenburg (D), und initiierte in Fulda (D) ein Marktgespräch für die Naturkostbranche.

Heinz Grüne vom Marktforschungsinstitut rheingold, Köln (D), erläuterte dort, was Menschen bei Bio wirklich suchen. Der Verbraucher sei auf der Suche nach individuellen Handlungsmöglichkeiten für seinen Abwehrschirm gegen schlechte Gefühle. „Bio ist eine Option, um sich etwas Gutes zu tun”, so Grüne. „Die Menschen leiden an der Komplexität der Welt und verlieren zunehmend den Glauben an Instanzen”, verweist der Kölner auf die Negativschlagzeilen der verschiedensten Institutionen. Der Kunde kompensiere diese negativen Gefühle auch über den Konsum. Hierbei komme Bio ins Spiel: Neben Nachhaltigkeit, Tierwohl und Verantwortung für die Umwelt suchen die Konsumenten aus Grünes Sicht beim Griff nach Bio eben auch „ein gutes Gefühl”.

Das Geschäft mit den Gefühlen der Konsumenten beherrschen Wettbewerber wie Edeka, Hamburg (D), mit ihrem Slogan „Wir lieben Lebensmittel” bereits äußerst erfolgreich. Mit der Bio-Marke Alnatura, Bickenbach (D), will Edeka-Vorstandsvorsitzender Markus Mosa nun Edeka als Genussmarke stärken. „Alnatura wird uns bei der Differenzierung gegenüber dem Wettbewerb weiterbringen und Zusatzumsätze generieren”, teilt Mosa gegenüber der Lebensmittel Zeitung, Frankfurt (D), mit.

Im Fachhandel müssten bei dieser Ansage die Alarmglocken laut klingeln. Doch insbesondere in der emotionalen Kundenansprache diagnostiziert Grüne bislang noch viel Potenzial im Fachhandel. „Werbung für Bio muss Herz oder Bauch treffen”, so Heinz Grüne weiter und rät dem Fachhandel dringend, hier seine Möglichkeiten besser auszuschöpfen. Schließlich biete der Bio-Handel als einziger Vertriebskanal 100 Prozent Bio und sei damit auf der Vertrauensseite sehr gut aufgestellt: „Vertrauen ist die neue Währung für die Kunden”.

Bettina Höchli vom Züricher Gottlieb Duttweiler Institut (CH) mit Zukunftsstrategien auf der Biofach 2016 Nürnberg

Neue Zukunftsstrategien für Bio verortet Bettina Höchli vom Züricher Gottlieb Duttweiler Institut (CH) zudem zwischen Romantik und Technik: „Bislang war die Food-Branche auf Science fokussiert, nun erfolgt ein Trend zu Romance”. Der Verbraucher suche in den Märkten nach Inspiration.

Mit Konzepten wie Regio, Bio, Handmade oder Manufaktur avanciere das Thema Essen für die Verbraucher zum Statussymbol. Beim physischen Einkauf vor Ort erwarte der Kunde zudem eine „seelische und körperliche Regeneration”. Neue Verkaufskonzepte für Lebensmittel wie Street-Food-Märkte und -Festivals werden dieser Sehnsucht der Verbraucher gerecht, so Höchli. Die Kreuzberger Markhalle Neun beispielsweise in Berlin (D) entwickelte sich zu einem Zentrum für Ess- und Trinkkultur. Den Initiatoren geht es um die Zukunft von Lebensstil und Essen mit einer Rückbesinnung auf bäuerliche Landwirtschaft und handwerkliche Lebensmittelproduktion, die auf regionale und ökologische Produzenten setzt.

Neben der Rückkehr zu den Wurzeln hat Höchli zugleich in der digitalen Vernetzung weitere Wachstumschancen für Bio ausgemacht. Viele junge Startups, die ihre Wurzeln eher in der IT-Welt hätten, machten etablierten Anbietern des Lebensmittelsektors Konkurrenz. Die Investments von Capital-Venture-Firmen in diese Segmente seien in den vergangenen zwei Jahren geradezu explodiert. Inzwischen investiert auch die Food-Branche gezielt in IT-Startups. So positionierte sich der US-Onlinehandelsriese Amazon mit seiner Pantry-Box seit Anfang Oktober 2015 auch in Deutschland als Supermarkt-Alternative. Ende November überraschte dann der Discounter Lidl mit dem Zukauf des Online-Lieferdienstes Kochzauber. Wie das Unternehmen gegenüber der Lebensmittel Zeitung mitteilte, soll das Konzept eigenständig fortgeführt werden. Bei Kochzauber können sich die Kunden Lebensmittel samt Rezepten in Boxen nach Hause liefern lassen, die auch Frischeprodukte enthalten. Der Discounter war im Online-Handel zuvor ausschließlich mit Trockenware vertreten. Im Bio-Handel vermisst Höchli hingegen bislang die IT-Verknüpfung, Service und Lieferdienste müssten hier aus ihrer Sicht weiter ausgebaut werden.

Insgesamt fehlen den externen Marktbeobachtern im Bio-Handel die Unterscheidungsmerkmale, sie wünschen sich mehr Überraschendes und Neues. „Der Fachhandel muss die nächste Stufe zünden”, fordert Heinz Grüne die Bio-Händler wieder zu mehr Pioniergeist auf. Der Fachhandel selbst sieht die Lösung jedoch nicht in einer LEH-Kopie, er ist auf der Suche nach eigenen Wegen. „Wir sind anders”, sagt Bio-Händler Hermann Heldberg. „Wir müssen zukünftig allerdings noch stärker kommunizieren, warum wir anders sind.” Volkmar Spielberger, BNN-Vorstandsmitglied und Geschäftsführer der Spielberger GmbH ergänzt: „Der Naturkost-Fachhandel unterscheidet sich in Qualität und Anspruch deutlich vom LEH. Das zeigt sich auch in den Sortimentsrichtlinien von BNN und Naturkost Südbayern. Wir haben uns das Vertrauen der Kunden erarbeitet. Da muss der konventionelle Einzelhandel erst mal in dieser Form hinkommen. Die Vorzüge und das facettenreichen Angebot des Naturkost-Fachhandels gilt es den Menschen weiter nahezubringen.”

Fachhandelsforum und Fachhandelsclub auf der Biofach 2016 Nürnberg

Anlaufstelle für Besucher aus dem deutschen Naturkostfachhandels und den Reformhäusern sind auch 2016 das Fachhandelsforum und der Fachhandelsclub in Halle 9, Stand 9-551. Partner vor Ort sind der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) sowie der Bioverlag. Das Forum bietet ein auf die Zielgruppe zugeschnittenes Programm mit Diskussionen und Gesprächsrunden.

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