Arbeitsrecht Beratung kostenlos: Worauf der Arbeitgeber bei der Stellenanzeige, dem Anstellungsvertrag und beim Thema Weisungsrechte achten muss
Kostenlose Anfragen an unsere Lieferanten stellen und Preisinformationen erhalten

Arbeitsrecht Beratung kostenlos: Worauf der Arbeitgeber bei der Stellenanzeige, dem Anstellungsvertrag und beim Thema Weisungsrechte achten muss

27.08.2012 | Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V./Titel Marketing Hotelier.de

Unkenntnis über arbeitsrechtliche Fragestellungen kann für Unternehmen eine teure Angelegenheit werden und selbst gut aufgestellte Firma in wirtschaftliche Schieflage bringen. Rechtsanwalt und Dozent an der Deutschen Inkasso Akademie Martin Medla erklärt, worauf man besser achten sollte

Frage: Herr Medla, warum sollte sich jeder Unternehmer mit arbeitsrechtlichen Fragen auskennen?

Martin Medla: Wenn ein Unternehmen Mitarbeiter beschäftigt, ist eine Vielzahl von Gesetzen zu beachten, deren Verletzung zum Teil empfindliche Strafen nach sich ziehen kann. Dies fängt schon vor der Einstellung an, wenn der Arbeitgeber zum Beispiel in einer Stellenanzeige nur junge Arbeitnehmer sucht. Dann können sich alle älteren potenziellen Bewerber diskriminiert fühlen und auf Schadensersatz klagen. Das kann schnell teuer werden.

Oder der Arbeitgeber beachtet nicht die Vorgaben nach dem Arbeitszeitgesetz, der Mitarbeiter arbeitet mehr als zehn Stunden an einem Tag und erleidet wegen Erschöpfung auf dem Nachhauseweg einen Unfall. An wen, meinen Sie, wird sich die Berufsgenossenschaft mit Regressansprüchen wenden? Diese beiden Beispiele, die beliebig weitergeführt werden könnten, zeigen, dass man keine Arbeitnehmer beschäftigen sollte, ohne die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu kennen. Es sei denn, man hat schon eine Rücklage für zu erwartende Strafen oder Schadensersatzansprüche gebildet.

Frage: Was sind aus Ihrer Erfahrung die häufigsten Fehler, die Unternehmen im Umgang mit dem Arbeitsrecht begehen?

Martin Medla: Es ist für mich immer wieder erstaunlich, wie viele leichte Fehler bei Arbeitsverträgen gemacht werden, indem Regelungen aufgenommen werden, die mittlerweile von der Rechtsprechung schon längst für unwirksam erklärt wurden. Und dann scheint es für viele Arbeitgeber sehr schwer zu sein, eine begründete Kündigung auszusprechen. Manche Unternehmen haben eine „Hire and fire”-Mentalität und übersehen dabei, dass in Deutschland die Beendigung von Arbeitsverhältnissen bestimmten Voraussetzungen unterliegt, die beachtet werden sollten.

Heutzutage sind sehr viele Arbeitnehmer rechtsschutzversichert oder Mitglied einer Gewerkschaft und klagen gegen eine Kündigung. Ziel ist dabei meistens nicht, wirklich wieder eingestellt zu werden, Ziel ist eine Abfindung, auf die es aber grundsätzlich keinen gesetzlichen Anspruch gibt. Wenn der Arbeitgeber sich dann aber im Kündigungsschutzprozess vorhalten lassen muss, dass seine Kündigung eventuell unwirksam sein kann, greift er regelmäßig lieber in sein „Portemonnaie” und zahlt, als den Arbeitnehmer wieder zu beschäftigen. Das könnte er sich ersparen, wenn er weiß, wie man wirksam kündigen kann.

Frage: Welche Themengebiete aus dem Arbeitsrecht sollte jedes Unternehmen kennen?

Martin Medla: Wenn ich Ihnen diese Frage in der notwendigen Ausführlichkeit beantworten müsste, würde das den Rahmen dieses Interviews sprengen. Ich halte es für wichtig, zunächst einmal Arbeitsverträge abzuschließen, die nach heutigem Maßstab wirksame Regelungen enthalten und die gegenseitigen Rechte und Pflichten so vereinbaren, dass jeder weiß, was er zu tun und zu lassen hat. Während des Arbeitsverhältnisses ist es für Arbeitgeber wichtig, den Umfang ihrer Weisungsrechte zu kennen, aber auch dem Umfang ihrer Pflichten, zum Beispiel im Hinblick auf die schon erwähnte Höchstarbeitszeit.

Wie gehe ich mit Fehlern des Mitarbeiters um — Stichwort „Abmahnung”. Und wenn es dann schon sein muss: Wie beende ich ein Arbeitsverhältnis auf der einen Seite möglichst sozialverträglich, auf der anderen Seite aber auch kostenschonend. Ach ja: Und wenn ich dann noch ein korrektes Zeugnis als Arbeitgeber ausstellen kann, schadet dies sicherlich nicht und erspart mir viel Zeit, wenn der Arbeitnehmer eine Zeugnisberichtigung verlangen sollte.

Zur Person:
Martin Medla (47) ist seit 1993 als Rechtsanwalt sowohl beratend als auch gerichtlich auf dem Gebiet des Arbeits- und Dienstvertragsrechts tätig. Seit 2006 ist der gebürtige Berliner und leidenschaftliche Kölner zusätzlich Fachanwalt für Arbeitsrecht mit einer Kanzlei in Köln. Er ist Autor der Fachpublikationen „Arbeitsrechtsberater” und „Fachanwalt für Arbeitsrecht” sowie als Dozent für Unternehmen tätig, unter anderem bei der Deutschen Inkasso Akademie GmbH (DIA), www.inkassoakademie.de.

Über die DIA
Die Deutsche Inkasso Akademie GmbH (DIA) ist eine hundert­prozentige Tochtergesellschaft des Bundesverbandes Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V. (BDIU). In der DIA hat der Inkassoverband sein komplettes Aus- und Weiterbildungsangebot integriert und damit die Basis für eine konsequente Fortentwicklung des Bildungsangebots der Inkassowirtschaft gelegt.

Verwandte Begriffe im Lexikon

Tipps

Links

Andere Presseberichte