Energiekosten im Gastgewerbe
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Energiekosten im Gastgewerbe

04.06.2026 | Philip Gutschke

Ob ein Hotelbetrieb am Jahresende wirtschaftlich gut dasteht, hängt von vielen Faktoren ab. Einer wird regelmäßig unterschätzt: die Energiekosten und deren massive Abhängigkeit vom Standort. Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Bundesland liegen beim Gewerbestrom deutliche Unterschiede. Für das Gastgewerbe, in dem Energie einen spürbaren Anteil am Umsatz ausmacht, ist das ein erheblicher Wettbewerbsfaktor

Strompreise von KMU im Gastgewerbe im Bundesländervergleich / © wattline.de
Strompreise von KMU im Gastgewerbe im Bundesländervergleich / © wattline.de
Strompreisindex: Entwicklung im Gastgewerbe im Vergleich zum KMU-Durchschnitt / © wattline.de
Strompreisindex: Entwicklung im Gastgewerbe im Vergleich zum KMU-Durchschnitt / © wattline.de

Regionale Preisunterschiede und ihre Folgen: Was das Gastgewerbe besonders trifft

Die Vorstellung, dass Strom überall in Deutschland ungefähr gleich viel kostet, hält sich hartnäckig. Tatsächlich zeigt der Gewerbestrom-Report 2026 von wattline, der über 26.000 kleine und mittlere Unternehmen in 16 Bundesländern und 12 Branchen ausgewertet hat, ein deutlich differenzierteres Bild. Die Spannweite bei den Strompreisen beträgt bis zu 17 Prozentpunkte – im Gastgewerbe sind die regionalen Unterschiede tendenziell sogar noch ausgeprägter.

Standortbedingte Kostenspreizung im Gastgewerbe

Für das Gastgewerbe bedeutet das konkret: Ein Hotel in Bayern oder Schleswig-Holstein zahlt unter sonst vergleichbaren Bedingungen deutlich mehr als ein Betrieb in günstigeren Regionen. Da Energiekosten im Gastgewerbe einen spürbaren Anteil am Umsatz ausmachen, wirken sich diese Differenzen unmittelbar auf Margen und Preisgestaltung aus. Wer standortbedingt höhere Energiekosten tragen muss, kann diesen Nachteil nur begrenzt an Gäste weitergeben, ohne die eigene Wettbewerbsposition zu gefährden.

Besonders brisant wird die Lage, wenn neben dem Preis auch der Verbrauch nach Region erheblich schwankt. In Ballungsräumen liegt der Stromverbrauch im Gastgewerbe teils weit über dem Median, während ländliche Standorte deutlich darunter bleiben. 
Diese doppelte Schere aus Preis und Verbrauch verschärft die Kostenunterschiede zwischen den Bundesländern zusätzlich. Zwei Betriebe mit identischem Geschäftsmodell stehen dadurch vor völlig unterschiedlichen Kostenrealitäten, ohne dass der Gast davon etwas bemerkt.

Energiekosten als kaum steuerbarer Fixfaktor

Anders als bei Personalkosten oder Wareneinsatz, die sich durch operative Entscheidungen unmittelbar steuern lassen, entzieht sich der Strompreis weitgehend dem Einfluss des einzelnen Betriebs. Das macht die Energiekosten zu einem der wenigen Kostenfaktoren, die nahezu ausschließlich vom Standort abhängen und dennoch erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen entfalten.

Was die regionalen Preisunterschiede im Gastgewerbe erklärt

Die Frage, warum reine Energiepreise im Gewerbestrombereich je nach Bundesland so unterschiedlich ausfallen, hat weniger mit regulatorischen Bestandteilen wie Netzentgelten oder Steuern zu tun. Entscheidend sind vielmehr die Beschaffungsbedingungen am Markt selbst.

Wettbewerbsstruktur und Vertragsdynamik

Regional unterscheiden sich Anbieterlandschaften, Wechselquoten und das Verhandlungsverhalten der Betriebe deutlich. In Regionen mit traditionell starker Bindung an etablierte Grundversorger oder Stadtwerke fällt der Wettbewerbsdruck oft geringer aus, was sich unmittelbar in höheren Energiepreisen niederschlägt. Dort, wo Betriebe häufiger wechseln, Konditionen aktiv vergleichen oder gebündelt einkaufen, sind die Preise im Schnitt niedriger.

Hinzu kommt der Zeitpunkt des Vertragsabschlusses: Wer in Phasen hoher Großhandelspreise lange Laufzeiten festgeschrieben hat, zahlt diese Prämie oft über Jahre. Solche Effekte verteilen sich nicht zufällig, sondern korrelieren mit regionalen Beratungs- und Einkaufsgewohnheiten.

Keine flächendeckende Entlastung für das Gastgewerbe

Erschwerend kommt hinzu, dass das Gastgewerbe von wesentlichen staatlichen Entlastungen ausgeschlossen ist. Die Stromsteuerentlastung gilt ausdrücklich nur für Unternehmen des produzierenden Gewerbes sowie der Land- und Forstwirtschaft. Hotels, Restaurants und vergleichbare Betriebe zahlen die volle Stromsteuer und haben damit gegenüber stromintensiven Industriebetrieben einen strukturellen Nachteil, der sich nicht durch Standortwahl oder Einkaufsstrategie ausgleichen lässt.

Für das Gastgewerbe heißt das doppelt: Es trägt die regionalen Marktunterschiede in voller Höhe und verzichtet zugleich auf die Steuerentlastungen, von denen produzierende Branchen profitieren. Der durchschnittliche Gewerbestrompreis ist zuletzt zwar leicht gesunken. Dennoch liegen die Strompreise für KMU heute rund doppelt so hoch wie 2020 und damit deutlich über dem Vorkrisenniveau.

Für Betriebe im Gastgewerbe heißt das: Selbst bei identischer Betriebsgröße und vergleichbarem Energiebedarf können die jährlichen Stromkosten allein durch den Standort um mehrere tausend Euro auseinanderliegen. Diese Diskrepanz bleibt häufig unerkannt, weil vielen Betrieben schlicht die Vergleichsbasis fehlt. Während Haushaltskunden und Industrieunternehmen auf umfangreiche Daten zurückgreifen können, existierten für den gewerblichen Mittelstand bislang kaum belastbare branchenspezifische Benchmarks.

Strategischer Energieeinkauf als Hebel: wie Betriebe Standortnachteile ausgleichen können

Die regionalen Preisunterschiede sind für einzelne Betriebe kurzfristig kaum beeinflussbar, doch der Umgang mit ihnen ist es durchaus. Ein wachsender Teil des Gastgewerbes setzt auf strategischen Energieeinkauf, um standortbedingte Nachteile abzufedern.
Einkaufsgemeinschaften bündeln die Nachfrage vieler Betriebe und verschaffen den einzelnen Mitgliedern Zugang zu Konditionen, die sonst Großabnehmern vorbehalten sind. Gerade in hochpreisigen Bundesländern kann dieser Ansatz einen deutlichen finanziellen Unterschied ausmachen.

Parallel dazu gewinnen Effizienzmaßnahmen an Bedeutung. Intelligente Gebäudesteuerung, moderne Beleuchtungstechnik und die Nutzung erneuerbarer Energien vor Ort reduzieren den Gesamtverbrauch und damit die Abhängigkeit von regionalen Preisschwankungen.

Entscheidend ist jedoch, dass solche Investitionen auf einer fundierten Datenbasis beruhen. Nur wer den eigenen Verbrauch und die eigenen Kosten im Branchen- und Regionalvergleich einordnen kann, ist in der Lage, gezielt zu optimieren und Ressourcen dort einzusetzen, wo die größte Wirkung entsteht.

Transparenz als Wettbewerbsvorteil: warum Daten den Unterschied machen

Die steigende Transparenz im KMU-Energiemarkt markiert dabei einen wichtigen Fortschritt. Erstmals lassen sich Strompreise und Verbräuche nach Branche und Bundesland vergleichbar machen, was Betrieben eine fundierte Grundlage für Verhandlungen und Investitionsentscheidungen bietet.

Gerade für das Gastgewerbe, das traditionell mit knappen Margen operiert, kann dieses Wissen den Unterschied zwischen wirtschaftlicher Stabilität und zunehmendem Kostendruck ausmachen. Wer seine Energiekosten kennt, vergleicht und aktiv steuert, verschafft sich einen Vorsprung, der weit über die reine Kostenoptimierung hinausgeht.

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