Lutherstadt Wittenberg: In den Straßen der Reformation
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Lutherstadt Wittenberg: In den Straßen der Reformation

12.11.2010 | IMG - Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH
Fast 500 Jahre nach dem Thesenanschlag Martin Luthers 1517 hat sich viel verändert in Wittenberg. Und auch wieder gar nichts. Bis heute finden sich auf einer einzigen Straße der historischen Altstadt dicht an dicht die berühmtesten Orte der Reformation, die hier ihren Ausgang nahm und die Welt des 16. Jahrhunderts aus den Angeln hob
Luther und von Bora vor dem Thesen-Portal der Schlosskirche / Fotograf: Blume, Jürgen Bildeigner: Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH
Luther und von Bora vor dem Thesen-Portal der Schlosskirche / Fotograf: Blume, Jürgen Bildeigner: Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH
Luthers Weib Katharina von Bora eilt geschäftig über den kopfsteingepflasterten Innenhof des Schwarzen Klosters, in der Hand einen Korb Gemüse. Ihr folgt aufmerksam eine Gruppe Schweizer Touristen, von denen nicht wenige mit Bergstiefeln und khakifarbenen Safarihüten wohl auf eine längere Tour eingerichtet sind. Zwei Stunden werden Nicole Dalichow, die bekannteste Wittenberger Expertin für szenische Stadtführungen, und ihre vielen Statisten sie im historischen Gewand durch die Renaissance-Stadt an der Elbe begleiten. Steigung: null. Strecke: 930 Meter die Straße rauf. Erste Station ist das eindrucksvolle Haus der Luthers – ein Geschenk des Kürfürsten Friedrich des Weisen zur Hochzeit des Mönches mit der entflohenen Nonne Katharina.

Von 1502 bis 1546 lebten die Luthers, ihre sechs Kinder und viele Studenten der Universität im Lutherhaus. Ihr Heim ist heute das größte reformationsgeschichtliche Museum der Welt. Luthers Wohnzimmer, die Lutherstube, ist im Original erhalten. Hier entstanden Luthers berühmteste Werke und hier hörten seine Studenten aus aller Welt die legendären Tischreden. Luthers Predigtkanzel, seine Mönchskutte, Bibelübersetzungen und viele wertvolle Handschriften und Drucke sind im Lutherhaus ausgestellt.

Nur wenige Meter weiter liegt das schmale Haus des bedeutenden Reformators und Freundes Luthers, Phillip Melanchthon, der 1518 vom humanistenfreundlichen Kurfürsten ebenfalls als Professor an die Wittenberger Universität Leucorea berufen wurde. Er gab den entscheidenden Anreiz zur Bibelübersetzung Luthers. Wieder ein paar Kopfsteinpflastersteine weiter die Collegienstraße hinauf schlüpft die Schweizer Gruppe durch einen Torbogen auf den Hof der Leucorea. Die 1502 gegründete Wittenberger Universität ist die älteste Hochschule in Sachsen-Anhalt und war einst das geistige Zentrum der Reformation. Viele steinerne Tafeln an den Außenwänden verraten, welche Berühmtheiten hier neben Luther und Melanchthon noch lehrten und lernten.

Dort, wo die Collegienstraße zur Schlossstraße wird, stehen die Bürgerhäuser des Malers Lucas Cranach d. Ä. (1472-1553) rund um einen historischen Innenhof. Fast alle berühmten Cranach-Gemälde sind in diesen Werkstätten entstanden. Der Meister gilt als einer der bedeutendsten Maler der Renaissance. In der kleinen Druckerstube seiner Höfe wurden 1512 die 2.000 Exemplare der sogenannten Septemberbibel gedruckt. Sie enthielt das Neue Testament, von Luther in nur elf Wochen aus dem Griechischen ins Deutsche übersetzt, von Melanchthon bearbeitet und von Cranach teils illustriert.

Diese Bibel und später auch die Gesamtausgabe der Bibel, die 1534 erschien, fand in den evangelischen Gebieten reißenden Absatz. Erstmals konnten die Menschen selbst lesen und verstehen, was da im Neuen Testament angeblich geschrieben stand, und wer es nicht konnte, lernte mit dieser Bibel lesen. Heute beherbergen die Cranach-Höfe neben Ausstellungen und Fremdenzimmern auch eine Malschule und Ateliers, in denen Kinder das Drucken probieren können. Unweit davon gelangt man zur Stadtkirche St. Marien, der Predigtkirche Luthers, in der er über 2.000 Mal von der Kanzel gesprochen haben soll.

Auch Stephan Schelhaas, 5 Leiter der Wittenberg-Information gleich gegenüber der berühmtesten Wittenberger Sehenswürdigkeit, der Schlosskirche mit ihrer Thesentür, schickt Touristen gerne auch zu den 17 Audioguide-Stationen, an denen jeder, der die szenischen Stadtführungen vielleicht verpasst hat, mit einem Handyanruf jetzt auch 24 Stunden täglich alles über die Wittenberger Weltgeschichte erfahren kann. Eine reformatorische Idee.

INFO

Martin Luther (1483-1546) und die Reformation
Martin Luther wurde 1483 in Eisleben im heutigen Sachsen-Anhalt geboren und war der Wegbereiter der Reformation. Als ihr Ausgangspunkt gilt der Anschlag seiner 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg. Der zu den Augustinermönchen gehörende Theologieprofessor Luther orientierte sich ausschließlich an Jesus Christus als dem „fleischgewordenen Wort Gottes“.

Seine berühmten Predigten und Schriften, allen voran die erste für jedermann (der lesen konnte) lesbare und verständliche Bibel, die „Lutherbibel“, veränderten die Gesellschaft im ausgehenden Mittelalter und der beginnenden Neuzeit nachhaltig. Fürstentümer seiner Zeit nutzten Luthers reformatorische Thesen dazu, die bis dahin beinahe unantastbare Macht der Päpste und Kaiser ins Wanken zu bringen.

Obwohl von Luther eigentlich gar nicht beabsichtigt, führte seine Denkensweise schließlich zu einer Kirchenspaltung (Bildung evangelisch-lutherischer Kirchen und weiterer Konfessionen des Protestantismus). Luther starb 1546 in Eisleben. Seit 2008 und noch bis 2017 läuft die Lutherdekade zu 500 Jahren Reformation, mit jährlich wechselnden inhaltlichen Schwerpunkten in Form von vielen Veranstaltungen, Landesausstellungen, wissenschaftlichen Kongressen oder Kulturevents.
www.luther2017.de

Luther-Bauhaus-Gartenreich – UNESCO-Welterbestätten
Nirgendwo sonst in Deutschland liegen mehr UNESCO-geschützte Stätten so nah beieinander: Lutherhaus, Melanchthonhaus, Stadtkirche und Schlosskirche in Wittenberg geben Einblick in die Lebenswelten der Reformation. Die Bauhaus-Gebäude in Dessau waren und sind Schauplatz der bedeutendsten Schule für Kunst, Design und Architektur des 20. Jahrhunderts (35 km entfernt).

Das Gartenreich Dessau-Wörlitz, erdacht von Fürst Franz von Anhalt-Dessau, gilt als Musterländchen der Aufklärung und perfekte Verbindung des Nützlichen mit dem Schönen (21 km entfernt). Das 30jährige Biosphärenreservat Mittelelbe, Heimat der größten noch zusammenhängenden Hartholzauenwälder Mitteleuropas und imposanter Biber, ist mit seiner Ausdehnung auf die gesamte Region an der Elbe das verbindende Element der drei berühmten Welterbestätten.
www.luther-bauhaus-gartenreich.de