Geschichtstourismus als Impuls für den Städtetourismus
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Geschichtstourismus als Impuls für den Städtetourismus

14.04.2011 | Deutscher Bundestag
In einer Antwort der Bundesregierung (17/5341) auf eine Kleine Anfrage der SPD-Fraktion (17/5110) wird aber auf zusätzliche Impulse für den Städtetourismus hingewiesen, der nicht unerhebliche Auswirkungen auf die Hotellerie hat
Berliner Dom an der Spree, Bildquelle DZT, Fotograf Eichberger, Eric
Berliner Dom an der Spree, Bildquelle DZT, Fotograf Eichberger, Eric
20 Jahre Mauerfall und 20 Jahre Deutsche Einheit – eine Bilanz aus Sicht des Tourismus

Vorbemerkung  der Fragesteller
Die Jahre 2009 und 2010 waren von den 20. Jahrestagen der Friedlichen Revolution 1989 in der DDR und der Deutschen Einheit im Jahre 1990 geprägt. Die Jubiläen wurden in ganz Deutschland für eine Vielzahl von Veranstaltungen und Publikationen genutzt. Berlin als Hauptstadt erlebte – auch und gerade wegen des Revolutionsjubiläums – einen Aufschwung bei Besucherinnen und Besuchern aus aller Welt. Die Deutsche Zentrale für Tourismus e.V. (DZT) hat mit weltweiten Presse- und PR-Aktivitäten die 20-Jahr-Feiern in den Mittelpunkt ihrer Werbeaktivitäten für Deutschland als Reiseland gestellt.

Das Jubiläum hat Deutschland noch attraktiver für Besucherinnen und Besucher aus dem Ausland, aber auch für Inlandstouristinnen und -touristen gemacht. Gerade die vielfältigen Aktivitäten in den Städten und Gemeinden in Ost und West haben gezeigt, dass Geschichte ein Erlebnis sein kann. Dies sollte Anlass sein, kulturtouristische Konzepte stärker um geschichtstouristische Aspekte zu ergänzen und damit den Geschichtstourismus dauerhaft zu etablieren. Mit den Aktivitäten rund um die 20. Jahrestage der Friedlichen Revolution und der Deutschen Einheit, aber auch zum 500-jährigen Lutherjubiläum sind dafür bereits Anfänge gemacht worden.

Die Förderung von Geschichtstourismus sollte allerdings unabhängig von Jahrestagen fester Bestandteil der touristischen Vermarktung Deutschlands werden. Einen Beitrag können dazu auch eine Reihe von Museen, Gedenkstätten und anderen Bildungsstätten leisten, die sich zum Teil in Verantwortung des Bundes befinden. Eine geschichtstouristische Förderung muss jedoch auch ressortübergreifend gedacht werden. Hierzugehört beispielsweise die verstärkte Pflege von Denkmalen und Landschaften und des historischen Ambientes.

1. Wie bewertet die Bundesregierung die Aktivitäten rund um die Feierlichkeiten der 20. Jahrestage der Friedlichen Revolution und der Deutschen Einheit aus touristischer Sicht?

Die Aktivitäten haben ein breites und positives öffentliches Echo gefunden. Eine touristische Wirkung entfaltet nur ein Teil solcher Maßnahmen. So erhält beispielsweise der Städtetourismus durch spezifische Ereignisse zusätzliche Impulse. Quantifizierbare Angaben hierüber liegen der Bundesregierung nicht vor.

2. Welche Kenntnisse liegen der Bundesregierung vor, wie viele Touristinnen und Touristen aus dem In- und Ausland diese Jahrestage gezielt für Besuche in Deutschland genutzt haben?

Ein direkter Zusammenhang ist nicht belegbar. Positiv könnte man in 2009 vor allem die Wachstumsraten der Stadt Berlin mit plus 5,9 Prozent bei den Übernachtungen heranziehen. Deutschlandweit konnten 2010 erstmals über 60 Millionen Übernachtungen ausländischer Gäste verzeichnet werden.

3. Inwieweit wurde neben der Deutschen Zentrale für Tourismus e.V. die Möglichkeit genutzt, über die Goethe-Institute und die Deutsche Welle im Ausland auf die Jubiläen aufmerksam zu machen und gezielt um Touristinnen und Touristen geworben?

Die gezielte Werbung um Touristen gehört nicht zu den Hauptaufgaben des Goethe-Instituts (GI) und der Deutschen Welle (DW). Dennoch berichtete die DW in Form von Nachrichtensendungen und Magazinen zum Themenbereich „Deutsche Einheit“ wiederholt auch über die zunehmende Bedeutung des Tourismus in den Neuen Bundesländern.

Goetheinstitute in aller Welt haben – in Absprache und Planung mit den Auslandsvertretungen – die besondere Möglichkeit des 20. Jubiläums des Mauerfalls genutzt, um in einer den jeweiligen Bedingungen des Gastlands angemessenen Form die historische Zäsur von 1989 zu thematisieren und die Veränderungen der letzten 20 Jahre aufzuzeigen.

Im Bericht über die „Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik 2009/2010“ (Bundestagsdrucksache 17/4413) sind weitere Einzelmaßnahmen u. a. in Großbritannien, China, Albanien, Latein- und Südamerika ausführlich beschrieben.

4. Welche Kultur- und Bildungsinstitutionen in Trägerschaft des Bundes (beispielsweise
die Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik, die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Bundeszentrale für politische Bildung, Stiftung Deutsches Historisches Museum, Zeitgeschichtliches Forum Leipzig, AlliiertenMuseum e.V. – gemeinnützig) haben gezielt Angebote für Touristinnen und Touristen zu den beiden Jubiläen unterbreitet, und um welche Angebote handelt es sich konkret?

Die genannten Bundeseinrichtungen haben in Zusammenhang mit den Jubiläen 2009/2010 eine Fülle von tourismusbezogenen Aktivitäten entfaltet, insbesondere Ausstellungen und Veranstaltungen realisiert. So zeigte etwa das Deutsche Historische Museum 2010 die Sonderausstellung „1990 – Der Weg zur Einheit“, die sich an ein breites Publikum in- und ausländischer Besucher wandte.

Die Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) hat in ihrer Reihe „Zeitbilder“ eine zweisprachige, englisch-deutsche Ausgabe unter dem Titel „Die Berliner Mauer/The Berlin Wall“ herausgebracht. Außerdem hat die BpB einen historischen Reiseführer über Berlin in ihrem Programm. Im Jahr 2009 hat sich die BpB am „Geschichtsforum 1989/2009: Europa zwischen Teilung und Aufbruch“ beteiligt.

5. Wie bewertet die Bundesregierung die Angebote der vom Bund getragenen oder geförderten Einrichtungen zur deutschen Geschichte aus touristischer Sicht, und welche dieser Angebote sollen und können unabhängig von den Jubiläumsdaten fortgeführt werden und sollen damit weiterhin Touristinnen und Touristen ansprechen?

Die Bundesregierung bewertet die Angebote der von ihr getragenen oder geförderten Einrichtungen aus touristischer Sicht positiv. Die BpB zum Beispiel ist mit ihrem Medien- und Kommunikationszentrum Anlaufpunkt von Touristen. Hier können sie sämtliche Publikationen der BpB erwerben. Im Sommer 2011 soll zum Beispiel in englischer Sprache eine kleine Geschichte der Berliner Mauer im Taschenformat erscheinen und so ausländischen Gästen die politische und alltagskulturelle Dimension der deutschen Teilungsgeschichte vermitteln. Die BpB bietet unterschiedliche Programme für angemeldete Besucherinnen- und Besuchergruppen aus dem In- und Ausland an.

6. Wie bewertet die Bundesregierung die Angebote der Deutschen Zentrale für Tourismus e.V. rund um den Fall der Mauer, und welche Angebote können hier fortgesetzt bzw. wiederholt werden?

Neben einem besonderen Internetauftritt, der die Besucher über touristische Angebote wie Ausstellungen, Museen und Aktionen zum Thema Mauerfall informierte, generierten die Vertriebs- und Marketingaktivitäten der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) ein großes Medienecho in der internationalen Presse und waren ein großer Erfolg. Zentrale PR-Maßnahme der Deutschen Zentrale für Tourismus war ein internationaler Fotowettbewerb „2009: 20 Jahre Fall der Mauer – Deutschland, ein faszinierendes Reiseland“.

Im Online – Newsletter der DZT wurden spezielle Veranstaltungen zum Thema Mauerfall an Konsumenten und Multiplikatoren kommuniziert, um das weltweite Interesse am Mauerfall auch auf die Flächenländer zu übertragen. Um wichtigen Multiplikatoren ein persönliches Erleben des grenzenlosen Reiselandes Deutschland zu ermöglichen, führte die DZT das ganze Jahr hindurch Studienreisen zum Thema durch. Bezüglich des jährlichen Feiertages zur Deutschen Einheit gibt es im Ausland gemeinsame Aktivitäten der Botschaften und der vor Ort befindlichen Auslandsvertretungen.

7. Welche Überlegungen gibt es, künftig Touristinnen und Touristen für Erinnerungsorte, Gedenkstätten, Museen und andere Bildungseinrichtungen zur deutschen Teilungsgeschichte zu werben, und welche Abstimmungen gibt es hierzu mit den Ländern?

Es wurden bereits Leitlinien für das Engagement des Bundes zur Erinnerung an die Teilungsgeschichte Deutschlands und der Hautstadt Berlin entwickelt. Auf grund der institutionellen Förderung stehen Bund und Land in den entsprechenden Aufsichtsgremien – auch in Fragen der Werbung – in permanentem Kontakt.

Um insbesondere junge Menschen für das Thema zu interessieren, lässt die BpB ein App (Applikation für Smartphones und Smartpads) als Lerntool entwickeln. Erinnerungsorte, Gedenkstätten und Museen zur deutschen Teilungsgeschichte werden im Internetauftritt der DZT auch weiterhin unter den Rubriken Museen und Ausstellungen gezielt weltweit beworben.

8. Welche Aktivitäten unternimmt die Bundesregierung, um authentische Orte wie das „Grüne Band“ durchgängig für Touristinnen und Touristen erfahrbar und erlebbar zu gestalten, um die Erinnerung an den früheren Todesstreifen wachzuhalten, und wie kann die Bundesregierung sicherstellen, dass nicht durch Wiederaufforstungen oder Sperrungen von Wegen das „Grüne Band“ teilweise unzugänglich bleibt?

Das Grüne Band ist das größte Biotopverbundsystem in Deutschland. Der Bund hat in den letzten sechs Jahren davon eine Fläche von ca. 7 000 Hektar in das Nationale Naturerbe überführt und es damit dauerhaft für den Naturschutz gesichert. Diese Flächen wurden den Bundesländern, der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und anderen Naturschutzträgern übergeben.

Für die Umsetzung von Maßnahmen zur Wegeführung bzw. Wiederaufforstung entlang des Grünen Bandes sind damit die jeweiligen Träger verantwortlich. Darüber hinaus hat das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit in den vergangenen fünf Jahren das Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben „Erlebnis Grünes Band“ mit rund 2,4 Mio. Euro zur touristischen Erschließung des Biotopverbundes gefördert. In drei Modellregionen wurden neben landschaftspflegerischen Maßnahmen der Aufbau einer spezifischen touristischen Infrastruktur (u.a. Wander- und Fahrradwegenetz) sowie die Entwicklung buchbarer touristischer Pauschalangebote unterstützt, um das Grüne Band besser erlebbar zu machen.

9. Auf welcheWeise unterstützt die Bundesregierung das Projekt „Iron Curtain Trail“ zur Schaffung eines grenzüberschreitenden Radweges entlang des früheren Eisernen Vorhangs als Beispiel für nachhaltigen Tourismus, und welche konkreten Maßnahmen ergreift dafür die Bundesregierung auf deutscher Seite?

Für den Bauvon Radwegen sind nach der grundgesetzlichen Kompetenzverteilung in Deutschland grundsätzlich die Länder und Gemeinden zuständig. Eine Förderung von Radwegen durch das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) erfolgt bei Radwegen entlang von Bundesfernstraßen und bei der Ertüchtigung von Betriebswegen entlang von Bundeswasserstraßen. Außerdem werden unter dem Dach des Nationalen Radverkehrsplans nicht-investive Projekte im Bereich Radverkehr gefördert.

10. Welche Möglichkeiten sieht die Bundesregierung – in Zusammenarbeit mit den Ländern, Kommunen und weiteren Institutionen – Erinnerungsorte an die deutsche Teilungs- und Vereinigungsgeschichte verstärkt zu pflegen und gezielt in die Werbung von Touristinnen und Touristen aus dem In- und Ausland einzubeziehen?

Mit der Aufnahme der Stiftung Berliner Mauer und der Gedenkstätte Deutsche Teilung in Marienborn in die institutionelle Förderung des Bundes wurde inden letzten Jahren ein deutliches Signal für die verstärkte Pflege der Erinnerung an die deutsche Teilung gesetzt. Im „Tränenpalast“ am Bahnhof Friedrichstraße in Berlin zeigt die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ab Spätsommer 2011 eine Dauerausstellung zum deutschen Alltag angesichts von Teilung und Grenze.

Darüber hinaus hat die Bundesregierung die Neugestaltung des Grenzlandmuseums Eichsfeld und die Einrichtung eines Besucher- und Informationszentrums unterstützt. Das Werben um Touristen aus dem In- und Ausland gehört zu den selbstverständlichen Aufgaben dieser Einrichtungen. Auf die Antwort zu Frage 7 wird verwiesen.

11. Welche Anstrengungen wird die Bundesregierung unternehmen, um die Aufwertung der Grenzausstellung der Bundespolizeiakademie in der Hansestadt Lübeck – die zuZeiten der Teilung die einzige Großstadt an der innerdeutschen Grenze war – zum Bundespolizeimuseum anlässlich des 60-jährigen Bestehens der Bundespolizei zu unterstützen, insbesondere hinsichtlich der Ausweitung der momentan begrenzten Räumlichkeiten?

Die Historischen Sammlungen in der Bundespolizeiakademie Lübeck werden im Rahmen der Feierlichkeiten zum Jubiläum „60 Jahre Bundespolizei“ am 28. Mai 2011 als Bundespolizeimuseum eröffnet. Derzeit erfolgt eine optische und inhaltliche Aufbereitung der Sammlung in den derzeit genutzten Räumlichkeiten. Über eine Ausweitung der Räumlichkeiten ist bisher nicht entschieden.

12. Welche Möglichkeiten sieht die Bundesregierung in Anlehnung an das Projekt „Historische Städte Deutschlands“ (Historic Highlights of Germany) einen Verbund von Städten bzw. Regionen anzuregen und zu fördern, die in den Mittelpunkt ihrer Tourismuswerbung die Erinnerung an die deutsche Teilungsgeschichte stellen?

Die Bundesregierung hat keine Kenntnis über einen speziellen Zusammenschluss von Städten der deutschen Teilungsgeschichte mit dem Ziel, sichgemeinsam im Ausland zu vermarkten und dafür zunächst eigene Finanzressourcen zu bündeln.

Ein Verbund von Städten bzw. Regionen, die in den Mittelpunkt ihrer Tourismuswerbung die Erinnerung an die deutsche Teilungsgeschichte stellt, muss vor dem Hintergrund der Finanzierbarkeit gesehen werden. Das genannte Beispiel der Historic Highlights of Germany ist ein freiwilliger Zusammenschluss von historischen Städten unter einheitlichen Kriterien, deren Auslandsmarketing aktiv durch die DZT unterstützt wird, um neben den touristischen Metropolen vor allem auch mittlere und kleinere Städte verstärkt einem internationalen Publikum zu öffnen.

13. Welche Möglichkeiten einer finanziellen Förderung existieren seitens des Bundes, um einen einheitlichen Internetauftritt von Angeboten und Erinnerungsorten an die deutsche Teilungsgeschichte für Touristinnen und Touristen zu ermöglichen?

Der Bund fördert die Entwicklung eines Internetportals „Orte der Repression in SBZ und DDR“, das zurzeit von der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Zusammenarbeit mit den thematisch betroffenen Gedenkstätten realisiert wird.

Die DZT wird 2012 mehrsprachig alle für das Auslandsmarketing wesentlichen Museen und Gedenkstätten der deutschen Teilungsgeschichte auf einer interaktiven Karte mit einer Direktverlinkung zu dem jeweiligen Museum unter touristischen Aspekten versehen und damit im Internet und mobil zugänglich machen.

14. Ist die Bundesregierung dazu bereit, beispielsweise durch die Ausrichtung eines Workshops zum Thema Geschichtstourismus verschiedene Akteure auf dem Gebiet zu vereinen, einen Austausch anzuregen und die Erstellung entsprechender Konzepte zu unterstützen, und welche Aktivitäten wird sie dafür entfalten?

Die Stärkung des Kulturtourismus ist ein Schwerpunkt im aktuellen Arbeitsprogramm
des Beauftragten der Bundesregierung für Tourismus.

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