Dänemark-Reportage: Aarhus - Kunst-Genuss und Lebensfreude
Kostenlose Anfragen an unsere Lieferanten stellen und Preisinformationen erhalten

Dänemark-Reportage: Aarhus - Kunst-Genuss und Lebensfreude

24.07.2011 | VisitDenmark
Ein Museum von Weltrang, fröhliche Fressmeilen, alternative Viertel mit hohem Spaßfaktor: Jütlands Metropole ist mehr als nur Kopenhagens kleine Schwester
Konzerthalle Aarhus / Fotograf: Anders Hede / Bildquelle: VisitAarhus
Konzerthalle Aarhus / Fotograf: Anders Hede / Bildquelle: VisitAarhus
Es war einmal ein kleiner Fluss, der schlängelte sich durch eine dänische Provinzstadt. Gut tausend Jahre plätscherte er dort vor sich hin, seit den Zeiten der Wikinger. Bis er irgendwann, vor fast 80 Jahren, den Stadtplanern von damals im Wege war. Er wurde einfach zugedeckelt, und die Stadt sah plötzlich grau aus.

Aber 1996 machten neue, weitsichtige Planer alles wieder gut und noch viel besser. Sie brachen den Beton auf, kanalisierten den Fluss, und seither sitzen die Leute aus Aarhus und die vielen Ferienhausurlauber auf Stippvisite wieder am Wasser, mitten in der Stadt - bunt beschirmt, Stuhl an Stuhl, Café an Café, Pinte an Pinte.

Noch mehr Lebenslust: Im Herzen der Altstadt hocken die fröhlichen Dänen, die sich selber glücklicher einschätzen als alle anderen Europäer, vor ihren Bistros und Jazzkneipen. Es sind vor allem junge Leute, Studenten, die das Leben in Dänemarks zweitgrößter und vermutlich ältester Stadt prägen. Eine kompakte Stadt ist Aarhus, kaum hundert Quadratmeter groß, knapp 300.000 Einwohner, davon allein 40.000 Studierende an der Universität und den diversen Hochschulen.

Sich treiben lassen, heißt die Devise
Längst duckt sich Aarhus nicht mehr in den Schatten von Kopenhagen. Inzwischen kommen die Hauptstädter nur zu gern in die jütländische Metropole, die sie früher gern als kleine Schwester vom Lande verspottet haben. Die alten Witze vom Niveau unserer Ostfriesenspäße haben sich eher in die umgekehrte Richtung entwickelt: Aarhus jedenfalls ist selbstbewusst geworden, eine Stadt mit eigenem, sehr hohem Genuss-Potential.

Zum Beispiel im Latiner Viertel. Das Gewirr der kleinen Gassen nördlich von Großem und Kleinem Mark ist benannt nach der Lateinschule, die hier einmal stand. Heiße Rhythmen und schmusiger Jazz dringt aus den Kellern und den Kneipen an der Rosengade und der Bispegade, am Graven oder im Snaevringen, der schmalsten Straße der Stadt. Das alles, was heute so angenehm alternativ brummt und steppt, war mal das Rotlichtviertel; vor fünfzig Jahren wäre es um ein Haar abgerissen worden, wenn nicht ein paar Bürger mit Erfolg auf die Barrikaden gegangen wären.

Sich treiben lassen, heißt hier die Devise, Glaskunst bei Karen Nyholm bewundern, mit dem Maler Ulrik Witt in seiner Galerie am Volden plaudern oder bei Sophie die Mode von morgen bewundern. Einen exotischen Cocktail schlürfen vor dem „Weißen Elefanten“ an der Klostergade, im „Gyngen“ Smörrebröd mit Bio-Garantie essen, ein gepflegtes Bier im Hinterhof  von „Margueritten“ genießen, Musik hören im „Casablanca“, wo auch Kronprinz Frederik, als er noch Junggeselle war, nur zu gern am Tresen saß.

Selbst bei McDonald's hockt man gemütlich auf dem Kopfsteinpflaster, mit Blick auf den ehrwürdigen Dom St. Clemens, Europas nördlichste Backsteinkirche. Ihre Ursprünge gehen auf das Jahr 1201 zurück. Die Maße sind eindrucksvoll, allein das Kirchenschiff ist über 90 Meter lang. Eine halbe Stunde Innehalten im hohen, lichtdurchfluteten Altarraum tut gut. Da ist die Loge für Königin und Prinzgemahl zu entdecken, da lohnt der Blick auf den Altar mit der Marienfigur, die nach der Reformation lange Zeit weggesperrt war, weil sie die Protestanten zu sehr an die katholische Zeit erinnert hat.

Kunst auf zehn Etagen
Und immer neue Kontraste lassen den Bummel durch diese abwechslungsreiche Stadt nicht langweilig werden. Am Aaboulevarden entlang, das ist die Fressmeile am neu belebten Wasser, sind es vom Dom nur ein paar Minuten bis in die malerische Gasse Möllestien, wo sich Stockrosen und Malven wie in den dänischen Dörfern die Hauswand empor ranken. Kleine Leute haben hier früher gewohnt, Arbeiter und Handwerker. Heute ist es ein schickes Viertel, wo sich fast nur noch Architekten, Ärzte und etablierte Künstler die Mieten leisten können...

Noch ein paar Minuten zu Fuß, und schon ist das neue Kunstmuseum erreicht, seit 2004 wohl die spektakulärste Attraktion der Stadt. Aros heißt es, so wie einst die Wikingersiedlung  an der Mündung des Flusses. Ein gewaltiger roter Backsteinkubus, der vornehmlich dänische Malerei und Objektkunst zeigt. Kunst auf zehn Etagen, atemberaubend, spannend.

Eine Architektur, die im Innern, ganz im Gegensatz zum strengen Äußeren, an ein Schneckenhaus oder ein Labyrinth erinnert. Eine Straße, ein öffentlicher Weg, teilt das Haus in einen Ost- und einen Westflügel; schon viele Passanten, die „nur mal so“ hindurch spazieren wollten, sind neugierig geworden und haben sich bis auf den Dachgarten verirrt, der den schönsten Blick auf Aarhus bietet.

Apotheker Lassen sucht eine tugendhafte Frau
Noch einmal zehn Minuten gelaufen und wieder ein Kontrast, wie er schärfer kaum sein kann. Am Rande des Botanischen Gartens, in einer der vielen Grünen Lungen der kleinen Metropole, ruft der angehende Schauspieler Martin, mit einer Glocke bewaffnet, die neuesten Nachrichten und Annoncen aus der Zeit des Märchendichters Andersen aus:

„Apotheker Lassen sucht eine tugendhafte Frau zur Amme...“; nebenan, in einem von 75 alten Häusern aus eben dieser Epoche, strickt die Witwe Wiborg, im richtigen Leben die Studentin Birgitta, Wollkleider, wie man sie vor 150 Jahren nicht nur in Dänemark trug. Und beim Bader wiegt ihre Kommilitonin Lise die Kräutersäckchen ab.

Den Gamle By, die Alte Stadt, heißt dieses Freilichtmuseum, 1914 als weltweit erstes Museum für Stadtkultur mit damals drei Häusern eröffnet. Lehrreich und lustig geht es dort zu, beim Kaufmann, in der Bäckerei, beim Eisenkrämer, in der gutbürgerlichen Küche, ein sinnenfrohes Abbild des täglichen Lebens von einst... Geschichte zum Schmecken, Riechen und Anfassen.

Genug von großer Kunst und alten Zeiten, müde vom Pflastertreten? Eine idyllische Straße, Teil der berühmten Margeriten-Route, windet sich aus der Stadt heraus durch den Marseliswald nach Süden, bis an die Küste von Moesgaard und Norsminde, wo der Danebrog über Strandvillen und Softeisbuden weht.

An sonnigen Wochenenden trifft sich dort halb Aarhus, an anderen Tagen geht es entspannter zu. Und wem es im „Norsminde Kro“, privilegiert immerhin seit 1693, zu vornehm ist – „Shorts nicht erlaubt!“ - lässt sich nebenan im urigen „Fiskerhuset“ den frischen Fisch und die roten Würstchen schmecken. Velbekomme!

Info

Hotels mit Charme: „Guldsmeden“, gemütliches Designhotel am Rande des Lateinerviertels: www.hotelguldsmeden.com; „Villa Provence“, Boutiquehotel mit französischem Flair und traumhaftem Innenhof in ruhiger, citynaher Lage: www.villaprovence.dk; Kro mit Brasserie und Restaurant am Fjord: www.norsminde-kro.dk.

Preiswert und zentral: www.cabinn.com; Das DANHOSTEL Aarhus liegt mitten im Wald, wenige Minuten vom Strand entfernt: www.aarhus-danhostel.dk.

Tipp: Die AarhusCard lohnt sich, auch für die Ausflügler von den Ferienhausregionen in der Nachbarschaft: Freies Parken in der City, freie Fahrt mit den Stadtbussen, freien Eintritt zu vielen Attraktionen, 30% Ermäßigung bei ARoS und Den Gamle By, Preisnachlässe beim Besuch bestimmter Cafés und Restaurants, 40% Ermäßigung auf der Storebæltsbro nach Seeland. Sie kostet 119 Kronen (16 Euro) für 24 Stunden und 149 Kronen für 48 Stunden (20 Euro).

Events: Jazzfestival, Mittelaltermarkt, Wikinger-Treffen am Strand von Moesgaard (Juli), Aarhus Festwoche (August), Aarhus Took it Hiphop-Festival (Oktober).

Auskunft: VisitAarhus, Banegårdspladsen 20, DK - 8000 Aarhus C, T. +45 8731 5010, www.visitaarhus.com.

Links


Kommentare

Sie können der Erste sein, der diesen Beitrag kommentiert