Giftige Kabinenluft — Passagiere ahnungslos
Kostenlose Anfragen an unsere Lieferanten stellen und Preisinformationen erhalten

Giftige Kabinenluft — Passagiere ahnungslos

10.07.2012 | Markus Tressel MdB
Kabinenluft führt immer häufiger dazu, dass Piloten nur noch mithilfe von Sauerstoffmasken fähig sind, das Flugzeug zu führen. In ihrem Blut finden sich danach giftige Substanzen, die auch in Triebwerkölen vorkommen. Passagiere bekommen davon nichts mit, werden auch nicht über Gesundheitsrisiken aufgeklärt, obwohl sie die gleiche Luft einatmen
Allein 67 solcher oder ähnlicher Fälle mit Öldämpfen im Flugzeug sind in weniger als drei Jahren amtlich erfasst worden. Tendenz steigend. Das ergab eine kleine Anfrage des tourismuspolitischen Sprechers der Bundestagsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen, Markus Tressel

„Wenn Piloten aufgrund giftiger Gase in der Kabinenluft Sauerstoffmasken ziehen müssen, zeigt das, wie groß die Probleme mit der Luftqualität sind. Dass Passagiere darüber nicht aufgeklärt werden, ist ungeheuerlich“, meint Tressel. Der tourismuspolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion hat dazu in dieser Legislaturperiode ein halbes Dutzend Anfragen gestellt. Er sieht Hersteller und Airlines unter Zugzwang. Auch ein Antrag (BT-Drs. 17/7480) des grünen Abgeordneten wird noch abschließend debattiert, um die Bundesregierung zum Handeln zu bringen.

Allein 67 Fälle mit Öldämpfen sind in den letzten drei Jahren amtlich erfasst worden. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) hat davon wiederrum neun als schwere Störungen klassifiziert, also Fälle bei denen Personal wegen der Kabinenluft ausgefallen ist oder Piloten Sauerstoffmasken ziehen mussten. Die Dunkelziffer der Vorfälle liegt aber erheblich höher. Das liegt mitunter am Meldeverfahren. '

Einige Fälle werden erst auf Druck gemeldet, wenn beispielsweise Medien darüber berichten oder die Behörde nachfragt. Erst am 9. Juni musste erneut eine Boeing 757, ein Typ der häufig als Ferienflieger eingesetzt wird, ihren Flug abbrechen. Die Bundesregierung bestätigt, dass dieses Flugzeugmuster besonders störanfällig ist und „Oil smell“ hier „sehr ernst genommen“ werde. Zu anderen Fällen, die sich im letzten halben Jahr ereigneten und nach denen Tressel nun fragte, seien die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen, so die Bundesregierung.

Auch bei weiteren Antworten auf die 95 Fragen im Rahmen der kleinen Anfrage hält sich die Bundesregierung äußerst bedeckt. „Dazu liegen (…) keine Informationen vor“, heißt es auf insgesamt 14 Fragen. Oftmals genau die Fragen, die darauf abzielen, ob Passagiere in konkreten Fällen, bei denen Personal medizinisch betreut worden ist oder nur mithilfe von Sauerstoffmasken das Flugzeug führen konnten, ebenfalls betreut worden sind.

Der Grund für solche Zwischenfälle ist unter anderem die technische Konstruktion vieler Flugzeuge, die die „Frischluft“ für die Kabine aus den Triebwerken abzapft. Die erhitzten Triebwerköle können so in die Atemluft gelangen und kurzfristig für Kopfschmerzen, Übelkeit, Reizungen von Atemwegen oder Schleimhäuten sorgen, aber auch Taubheitsgefühle in den Fingern hervorrufen. Gase, wie beispielsweise Ozon erhöhen das Krebsrisiko und andere Substanzen rufen im schlimmsten Fall Nervenerkrankungen hervor.

„Das Entscheidende ist, dass Zapfluftkanäle in aller Regel nicht kontrolliert werden“, erklärt Tressel. Das ergaben mitunter die Antworten auf die Frage 76 und 94, wonach „die Herstellerverfahren keine explizite Kontrolle“ vorsehen. Auch die Vorschriften für die Luftqualität an Bord von Flugzeugen sind unzureichend, bis zu 60 Grad Celsius sind erlaubt.

Tressel: „Die Bundesregierung muss nacharbeiten. Eine Gefährdung für die Flugsicherheit kann auch sie bei Störungen nicht ausschließen.“

Verwandte Begriff im Lexikon

Links

Andere Presseberichte


Kommentare

Sie können der Erste sein, der diesen Beitrag kommentiert