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Unternehmer müssen keine Fesseln tragen

07.05.2015 | Sheila Rietscher

Lebenstraum Weltumsegelung erfüllt: Michael Haufe, Teamgeist GmbH, kehrt nach 15 Monaten Leben und Arbeiten auf seiner Segelyacht Polaris zurück zu Familie und Firma

Gruppenbild auf Segelyacht im Hafen / Bildquelle: Espotoworldtour
Gruppenbild auf Segelyacht im Hafen / Bildquelle: Espotoworldtour

Blossin, April 2015: Eine Reise geht zu Ende. Eine Reise, die ein Leben lang erträumt und viele Jahre vorbereitet wurde. Firmengründer Michael Haufe erfüllte sich mit der Weltumsegelung nicht nur einen Kindheitstraum sondern verlagerte seinen Arbeitsplatz als Manager auf die Hochseeyacht Polaris, eine Hanse 47. Ausgestattet mit umfassender Kommunikationstechnik trat er vor anderthalb Jahren den Beweis an, dass persönliche Freiheit, freies Unternehmertum, Familie, Reiselust und Wassersport miteinander vereinbar sind.

Als Kind las er Thor Heyerdahls Abenteuer von wilden Ozeanexpeditionen und träumte von Reisen in exotische Länder, die unerreichbar schienen. Als Jugendlicher baute er anhand geschmuggelter Zeitschriften Surfbretter, die er in der DDR nur auf Binnengewässern benutzen durfte. Als die Wiedervereinigung die lang ersehnte Freiheit brachte, wurde Michael Haufe ein professioneller Windsurfer. Er gründete die Marke Teamgeist und verknüpfte Wassersportaktivitäten mit Sozialkompetenztrainings für Kinder.

In Blossin am Wolziger See entwickelte sich aus der Wassersportbasis eine Zentrale für Kommunikationstrainings und Kreativschmiede für Team- und Kundenveranstaltungen, aus der auch das Software-Startup Espoto GmbH hervorgeht. Den Einsatz von interaktiver Technologie mit physischer Aktivität und dem Erleben von Natur zu verbinden, ist heute Bestandteil der Unternehmensphilosophie. Durch multisensorische Ansprache sollen Lerneffekte verstärkt werden. Unternehmen schätzen das Konzept und buchen Events von zehn bis eintausend Personen.

In der Blüte seines Unternehmertums beschloss Michael Haufe, seinen Traum von der eigenen Ozeanüberquerung wahr werden zu lassen. Fünf Jahre dauerten die Vorbereitungen. Die World ARC 2014/2015, eine vom World Cruising Club organisierte Ralley um den Globus, bot organisatorische Rückdeckung und Gesellschaft von vierzig weiteren Segelbooten.

Im Januar 2014 startete der Familienvater (Sohn 4 Jahre, Tochter 14 Jahre) zusammen mit seinem Skipper Jan Schäper und fünf weiteren Crewmitgliedern seine Weltumsegelung von Saint Lucia, Karibik, Richtung Pazifik. Zusammen mit insgesamt 47 wechselnden Mitseglern bezwang er die Gesamtstrecke von 30.000 Seemeilen (ca. 60.000 Kilometern) durch alle drei Weltmeere.

Über den Panamakanal reiste die Crew nach Galapagos zu den Marquesas. Hier angekommen fühlte sich Michael Haufe seinem Kindheitsidol Heyerdahl sehr nahe. Es ging weiter mit Frau und Kindern durch die Südsee nach Australien. Von Bali aus wurde der Indische Ozean zur größten seglerischen Herausforderung. Südafrika bot eine längere Pause zum Warten des Schiffs, für Weihnachts- und Neujahrsfeierlichkeiten.

Am 10. Januar 2015 fiel der Startschuss für die Atlantiküberquerung in Richtung Brasilien, wo der Karneval auf die Weltumsegler wartete. Von Insel zu Insel ging es langsam wieder Richtung Ausgangspunkt. Und immer dabei: Das mobile Büro. Satellitentelefon, Kurzwelle, Ultrakurzwelle, deutscher Mobilfunk, lokale Mobilfunk und zahlreiche Wlan-Netze standen zur Verfügung, um die Geschäfte zu kontrollieren, Konzepte zu übermitteln, Fragen der Mitarbeiter zu beantworten und mit der Familie zu kommunizieren.

Michael Haufe im Interview

mit Sheila Rietscher, Marketingmanagerin und Mitseglerin auf der Polaris

Michael, wie fühlt es sich an, nach 15 Monaten auf See wieder zu Hause zu sein?

Michael Haufe: Ich bin immer noch sprachlos. Mein Geist hüpft noch zwischen dem mobilen Arbeitsplatz auf der Polaris und dem statischen Büro in Blossin hin und her. Mich erfüllt eine große Dankbarkeit für all das, was ich erleben durfte, für all die Menschen, die ich treffen und all die Orte, die ich sehen, durfte. Ich kann im Moment noch gar nicht richtig begreifen, was wir da eigentlich vollbracht haben.

Der World Cruising Club, der Organisator der World ARC 2014/2015, hat die Finalisten feucht-fröhlich empfangen. Wie hast Du den letzten Tag mit Paradesegeln, Poolparty und Gala erlebt?

Michael Haufe: Einfach nur grandios. Es war ein Tag voller Emotionen. Gemeinsam mit anderen Weltumseglern und meiner Familie in den Pool der Rodney Bay Marina zu springen, passte viel besser zum Charakter der Reise als ein steifer Empfang. Die Gala war kurzweilig, die Atmosphäre war familiär und wir haben ausgelassen getanzt. Als Abschiedsgeschenk gab es ein Fotobuch, welches viele schöne Momente der Reise dokumentiert und nach alter Seglertradition eine Flasche Rum.

Was war für Dich das Beste am Leben auf See?

Michael Haufe: Das unbeschreibliche Gefühl von Freiheit. Jeden Tag draußen zu sein, den Kaffee im Cockpit zu trinken, die gute Luft zu atmen und mit den Phänomenen der Natur zu leben. Geschlossene Räume und die Komplexität des städtischen Lebens fühlen sich gerade noch fremdartig an.

Was hast Du über Dich gelernt?

Michael Haufe: Ich bin nicht mit dem Ziel verreist, mich selbst neu zu definieren. Ich habe mir einen Lebenstraum erfüllt und fühle heute eine angenehme Leere, eine große innere Gelassenheit. Ich habe viel Bestätigung gespürt für die Entscheidungen, die ich getroffen habe. Ich befinde mich gerade am Gipfel meiner Zufriedenheitsskala. Um auf die Frage zurück zu kommen: Vielleicht habe ich bewiesen, dass es sich lohnt, an seinen Träumen fest zu halten, sich selbst treu zu bleiben und für seine Ziele zu kämpfen. Auch wenn das jetzt sehr nach Paulo Coelho klingt.

Was hast Du in den 15 Monaten am meisten vermisst?

Michael Haufe: Meine Kinder. Sie sind froh, dass ich wieder zu Hause bin und ich bin glücklich, sie wieder im täglichen Leben begleiten zu dürfen. Ich möchte im Moment auch gar nicht wieder weg. Ich freue mich darauf, in der Firma wieder aktiv mitzugestalten und genieße den intellektuellen Austausch mit Team und Partnern. 

Der schönste Ozean?

Michael Haufe: Der Pazifik. Auf Thor Heyerdahls Spuren zu segeln, hat mich sehr berührt und rückblickend war die Zeit zwischen und auf den vielen Südseeinseln sowie das Segeln mit meiner Familie voller intensiver Momente.

Das schönste Erlebnis auf See?

Michael Haufe: Der Sprung in den unendlichen Ozean. 5000 Meter tiefes Wasser unter uns, rundherum nur Wasser und Himmel. Unbeschreiblich!

Die nettesten Menschen?

Michael Haufe: An Bord der Polaris und im Pazifik, dort wo die Einheimischen noch nicht vom Tourismus leben und unvoreingenommen, neugierig und freundlich mit den Gästen aus aller Welt interagieren. Enttäuscht hat uns Bora Bora, wo man uns als wandelnde Geldbeutel behandelte. 

Der schönste Ort auf der Welt?

Michael Haufe: Die abwechslungsreiche Natur auf den Marquesas, auf Tuamotos und auf den Gesellschaftsinseln und die beeindruckende Landschaft am Kap der Guten Hoffnung. 

Das leckerste Essen?

Michael Haufe: Das Fischgericht Poisson cru à la tahitienne, die Bordküche von meinem besten Freund Ricco Geithner, Sashimi von selbst gefangenen Thunfisch.

Die größte Herausforderung?

Michael Haufe: Fünf Meter hohe Welle, Kreuzsee und Starkwind südlich von Madagaskar, zwischen der Île de la Réunion und der südafrikanischen Ostküste. Wir steuerten mehrere Tage und Nächte per Hand, mussten uns sehr konzentrieren. Die Crew kämpfte mit Seekrankheit, die Temperaturen sanken, je weiter wir uns vom Äquator entfernten, und das Wetter wechselnde permanent.

Die schlimmste Erfahrung?

Michael Haufe: Die schockierende Krebsdiagnose für meinen Vater und der langwierige Behandlungsprozess überschatteten seit kurz nach Reisestart die gesamte Zeit der Weltumsegelung. Ich bin froh, dass mir die Mittel und Wege zu Verfügung standen, ihn zu besuchen und mit ihm regelmäßig in Kontakt zu stehen. Dank meines Skippers hatte ich den Freiraum, immer einmal kurz nach Hause zu fliegen, und dank moderner Kommunikationsmittel konnten wir telefonieren, schreiben und skypen, wann immer es wichtig und nötig war.

Die größte Faszination?

Michael Haufe: Das Meeresleuchten, das auch schon Thor Heyerdahl auf seiner Kon-Tiki-Reise beschrieb. Das glitzernde Plankton, das wie ein Teppich aus Diamanten die Nacht an der Küste Südafrikas erhellte, bleibt für mich unvergesslich.

Die aufregendste Aktivität an Land?

Michael Haufe: Die Besteigung der größten Erhebung im Indischen Ozean, dem 3070 Meter hohen Piton de Neige, auf Réunion. Neun Stunden Wanderung durch alle Vegetationszonen vom Regenwald zur kargen Felslandschaft und zurück. Sonnenaufgang am Gipfel und unglaubliche Ausblicke auf das Meer. Überragend!

Statistische Höhepunkte?

Michael Haufe: 500 Dosen Bier, die auf dem Indischen Ozean getrunken wurden. 50 Kilogramm Mehl, die monateland angesammelt und in allen Stauräumen des Bootes versteckt wurden, bis in Afrika die Brotbackmaschine täglich ratterte. 400 Kilogramm Fisch, die wir auf der gesamten Reise in Form von Goldmakrelen, Thunfischen, Blue Marlins und Barrakudas gefangen und an Bord genossen wurden.

300 Kilogramm Gepäck und Segelmaterial, das von Südafrika aus nach Hause zurück nach Hause geschickt wurde und der Polaris eine bessere Lage im Wasser verschaffte. 111 berauschende Sonnenuntergänge mit dem berühmten Green Flash, dem grünen Licht, das bei klarem Himmel kurz vor dem Verschwinden der Sonne auf der Meeresoberfläche erscheint.

Warum sollten andere solch eine Reise machen?

Michael Haufe: Wer seine eigenen Werte überprüfen, neue Menschen kennen lernen, Erinnerungen für das Leben sammeln, die Natur hautnah erleben und wilde Tiere in ihrem Lebensraum beobachten möchte, wird so eine Reise wertschätzen. Für Letzteres empfehle ich Galapagos, wo man endemische Arten findet, die an keinem anderen Ort der Welt vorkommen. Den Tieren an Land und im Wasser fehlt jede Scheu vor dem Menschen. Solche Orte gilt es zu schützen.

Du hast Dich entschlossen, die Erfüllung Deines Lebenstraums und den langen Weg dorthin in einem Buch zu dokumentieren. Warum ist Deine Geschichte interessant für andere?

Michael Haufe: Meine Geschichte handelt von persönlicher Freiheit und freiem Unternehmertum. Ich führe den Beweis, dass Unternehmer keine Fesseln tragen müssen. Außerdem gehöre ich zu der einen Generation, die in der Enge der DDR aufgewachsen ist, aber zur richtigen Zeit die Freiheit erhalten hat, das Leben frei zu gestalten. Nur wenige haben die gleiche Perspektive. Natürlich möchte ich Mut machen, zeigen, wie man mit viel Disziplin seine Träume verwirklicht und wie mobiles Arbeiten auf Reisen funktionieren kann.

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