Reisen per Kreuzfahrtschiff — kann das nachhaltig sein?
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Reisen per Kreuzfahrtschiff — kann das nachhaltig sein?

18.09.2017 | Green Pearls GmbH

Darmstadt, September 2017 *** Vor kurzem veröffentlichte der Naturschutzbund Deutschland (NABU) sein siebtes Kreuzfahrt-Ranking mit einer weiterhin sehr schlechten und belastenden Umweltbilanz für die Kreuzfahrtschiffe der europäischen Reedereien

Das Kreuzfahrtschiff Queen Elizabeth beim Auslaufen auf der Elbe in Hamburg / Bildquelle: Sascha Brenning - Hotelier.de
Das Kreuzfahrtschiff Queen Elizabeth beim Auslaufen auf der Elbe in Hamburg / Bildquelle: Sascha Brenning - Hotelier.de
Der Großteil der Schiffe fährt unverändert mit Schweröl als Hauptkraftstoff, mit einem täglichen Verbrauch von bis zu 150 Tonnen des giftigen Treibstoffs. Eine enorme Belastung für sensible, maritime Ökosysteme und eine extrem hohe Feinstaubbelastung in Hafenstädten mit Kreuzfahrt- und Fährterminals. Rußpartikelfilter zur Minderung gesundheitsgefährdender Feinstaubemissionen fehlen nach wie vor.
 
Doch die Branche boomt weiter und verzeichnet die höchsten Wachstumsraten. Im Jahr 2016 waren weltweit 22 Millionen Menschen als Passagiere auf 300 Kreuzfahrtschiffen unterwegs (Quelle: ©Statista). Tendenz steigend. Welche Möglichkeiten gibt es für die boomende Kreuzfahrtindustrie dieser gesteigerten Nachfrage nachhaltig entgegenzuwirken und bis zum Jahr 2050 komplett CO2-frei zu agieren?

Europas erste Landstromanlage

Seit Sommer 2016 können Kreuzfahrtschiffe während ihrer Liegezeit in Hamburg auf Landstrom, aus erneuerbaren Energien, zurückgreifen. Die Dieselmotoren laufen somit nicht im Dauerbetrieb weiter. Eine lobenswerte, umweltfreundliche Alternative, die allerdings eine Nachrüstung der Bestandsschiffe voraussetzt. Auch wenn die Anlage aktuell nur von einer Handvoll der anlegenden Schiffe genutzt wird, ist sie ein guter Anfang, den hohen Feinstaubwerten der Hansestadt entgegenzuwirken.

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Flüssiggas statt Schweröl

2018 werden die ersten mit Flüssiggas betriebenen Kreuzfahrtschiffe in See stechen. Diese umweltfreundliche Alternative gilt jedoch nur für Neubauten. Denn aktuell ist die Partikelbelastung in der Luft auf Kreuzfahrtschiffen immer noch um bis zu 200 Mal höher als in natürlicher Umgebungsluft und somit hoch krebserregend.
 
Das liegt auch daran, dass sich die Schadstoffregelungen auf See deutlich von denen auf Land unterscheiden. Flüssiggas, das sogenannte LNG, ist zwar auch ein fossiler Brennstoff, der nicht unendlich genutzt werden kann, aber er verursacht keine Schwefeloxide oder Rußpartikel. Und der Ausstoß von Stickoxiden und CO2 kann so deutlich verringert werden.

Ecoship 2020

Die japanische Nichtregierungsorganisation Peace Boat hat sich zum Ziel gesetzt, die Kreuzfahrt ökologisch nachhaltig zu revolutionieren - mit dem Ecoship. Solarkollektoren auf einer Fläche von 6.000 m2 werden Strom erzeugen und dank eines speziellen Reinigungssystems können 100 Prozent des verbrauchten Wassers zurückgewonnen werden. So erhoffen sich die Planer auch eine Nutzung von 80 Prozent der Energie, die andernfalls verloren gehen würde.
 
Die Segel des Schiffs werden so konzipiert sein, dass sie bis zu 10 Prozent der Schiffsenergie erzeugen. Angetrieben wird das Ecoship, das 2.000 Passagieren Platz bieten wird, mit vier unterschiedlichen Verbrennungssystemen aus Flüssiggas, Bio-Gas, Bio-Diesel und Diesel-Öl. Zusätzlich ist ein Garten an Bord geplant - für gute Luft und Entspannung.

Die Dusche der Zukunft

Zehn Minuten duschen verbraucht bis zu 150 Liter Wasser. Für Kreuzfahrtschiffe ein enormer zusätzlicher Wasserverbrauch pro Passagier. Das schwedische Start-up Orbital Systems hat eine Dusche entworfen, die bis zu 90 Prozent des Wassers einspart, da das Wasser während des Duschens wieder aufbereitet wird. Fazit: Nur 5 Liter Wasserverbrauch und 80 Prozent weniger Energiekosten gegenüber einer herkömmlichen Dusche. Zusätzlich bleibt die Recyclingdusche absolut keimfrei. Legionellen, Bakterien oder andere Verunreinigungen können durch den kleinen Wasserkreislauf nicht entstehen.

Wiederverwertbare Inneneinrichtung

Die CO2-freundliche Bilanz von Kreuzfahrtschiffen wird nicht nur durch die Wahl eines umweltfreundlichen Kraftstoffes bestimmt. Auch nachhaltige Einrichtungselemente, wie Möbel, Teppiche, Gardinen, Armaturen oder Lampen können wiederverwertbar, biologisch abbaubar und somit nachhaltig sein. So ist es möglich, bereits beim Bau oder einer Restauration eines Kreuzfahrtschiffes diese Kriterien für eine nachhaltige Inneneinrichtung von Beginn an mit einzuplanen. 
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Adaptive Fassaden und optimale Nutzung von Tageslicht

Eine Möglichkeit Energie optimal zu nutzen sind adaptive Fassaden. Diese können sich insbesondere in unterschiedlichen Klimazonen an die entsprechenden Temperaturen, Sonne und Schatten anpassen und diese natürlichen Gegebenheiten perfekt zur Beheizung und Kühlung der Schiffskabinen nutzen. 
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Leichtere Schiffe

Ein nachhaltiger Vorteil für weniger Kraftstoffverbrauch von Kreuzfahrtschiffen ist deren Gewicht. Hierbei kann Stahl weitestgehend durch neue, nachhaltige Materialien ersetzt werden. Alternativen, sind beispielsweise leichte Metalllegierungen, Aluminiumschaum, Kohlenstofffaser oder das sogenannte Fibreglass, ein faserverstärktes Plastik. Diese Materialien garantieren langfristig mehr Stabilität, bessere Schwimmeigenschaften, niedrigere Produktionskosten und vor allen Dingen geringere Wartungskosten.
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CO2 neutral bis zum Jahr 2050

Das Ziel der Kreuzfahrtindustrie bis zum Jahr 2050 komplett CO2-frei unterwegs zu sein ist ehrgeizig und wird nur durch einen konsequenten Umstieg auf Wasserstoff als Treibstoff realisierbar sein. Brennstoffzellen würden die notwendige Energie zur Verfügung stellen. Voraussetzung ist hierbei allerdings ein Umrüsten der Bestandsschiffe und die entsprechenden Vorrichtungen in Neubauten.
 
Die vielfältigen Beispiele machen deutlich, dass die Erhöhung einer nachhaltigen Leistungsfähigkeit der Kreuzfahrtschiffe oberste Priorität hat. Das Zusammenspiel des Themas Nachhaltigkeit in allen Bereichen und das Bewusstsein, Energie effizient zu nutzen und nicht unnötig zu verbrauchen, werden somit die Wirtschaftlichkeit bestimmen.

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