Sicherheit in Ferienanlagen — Wie man Kinder schützen kann
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Sicherheit in Ferienanlagen — Wie man Kinder schützen kann

28.02.2014 | medienunternehmung.de
Interview mit Hotelsicherheits-Experte Ulrich Jander
Ulrich Jander - Hotelsicherheitsexperte / Bildquelle: Ulrich Jander
Ulrich Jander - Hotelsicherheitsexperte / Bildquelle: Ulrich Jander
(Rüsselsheim, 27. Februar 2014) In Ferienhotels und -anlagen gibt es viele Gefahrenherde für Kinder: Ertrinken im Hotelpool, sexueller Missbrauch, Entführung. In diesen Tagen war in den Medien das Thema “Maddie” wieder aufgegriffen worden, die 2007 aus einer Ferienanlage in Portugal verschwunden ist. Nun sollen den Berichten zufolge geheime Unterlagen aufgetaucht sein, wonach eine „Bande“ hier ihr Unwesen treibt. Dazu interviewten wir den aus dem Fernsehen bekannten Hotelsicherheits-Berater Ulrich Jander.

Wie sicher sind denn solche Ferienanlagen?

Ulrich Jander: Mit dem Thema Sicherheit in Ferienanlagen beschäftigen wir uns schon seit vielen Jahren. Gerade im Urlaub sind die Gäste leichtsinnig und lassen Balkontüren oder auch die Zimmertüren offen, es ist geradezu eine Einladung für jeden kleinen Ganoven.

Ja, und was bedeutet das?

Jander: Hier kann jeder ohne Probleme in die Gastzimmer eindringen und sich dann an den herumliegenden Dingen bedienen. Besonders gefährdet gegen Übergriffe sind Kinder, die ihren Mittagsschlaf machen, während die Eltern in Ruhe am Pool liegen.

Das kann ich so nicht glauben.

Jander: Leider ist das aber so. Auch abends bei Essen „nerven“ dann die Kinder, und wenn die Eltern im Restaurant ihre Ruhe haben wollen, werden die Kinder einfach ins Bett gesteckt und dann ab zum Essen.

Ja geht das denn so einfach?

Jander: Oh ja, es gibt Eltern, die sind diesbezüglich schmerzfrei. Ich habe so eine Situation selbst schon erlebt, wo ein Kind von innen gegen eine Zimmertür schlug und sehr verzweifelt und laut weinte. Daraufhin habe ich die Direktion verständigt, die sich weigerte, die Zimmertür zu öffnen. Dann kam der Hinweis, dass die Eltern im Restaurant sitzen.

Ich bin dann ins Restaurant und habe die Eltern zur Rede gestellt. Die Antwort war, ihr Kind wäre es nicht, sie hätten ein Babyphone dabei, sie würden hören, wenn etwas wäre und ich solle sie nicht beim Essen belästigen.

Erst nach etwas massiverem Druck kam dann der Vater unter erheblichem Protest mit, und konnte dann vor Ort feststellen, dass sein Kind, Alter etwa drei Jahre, total verängstigt im Zimmer schrie. Das arme Kind erhielt eine Standpauke, es war ungeheuerlich, wie der Vater mit dem Kind umsprang.

Das ist ja schon der Hammer, was Sie hier schildern.

Jander: Ja, das stimmt. Aber gerade in Ferienanlagen kann man beobachten, dass Eltern ihre Kinder unbeaufsichtigt zum Schlafen ins Zimmer legen und sie dann alleine lassen, um zu shoppen oder sich zu sonnen. Da braucht man sich nicht zu wundern, wie auch in der Presse beschrieben, dass es organisierte Banden gibt, die dann Kinder entführen.

Gibt es denn keine Sicherheit in Ferienanlagen?

Jander: Nein, eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Ich war vor einiger Zeit auf Fuerteventura und habe mir dort eine Ferienanlage angeschaut. Diese Ferienanlage ist gesichert mit einem sogenannten Kartensystem. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht auch dieses Hindernis hätte überwinden können: Ruckzuck war ich drin und konnte mich frei bewegen – und so machen es diese kriminellen Herrschaften auch.

Was passiert denn mit den Kindern?

Jander: Das ist schwer zu sagen. Einmal, denke ich, ist es das Thema Adoption oder Kinderwunsch von bestimmten Personen. Hier werden dann von gewissen Organisationen „Bestellungen“ angenommen, und das Passende wird dann in Ruhe ausgesucht. Oder was leider noch schrecklicher ist, ist das Thema Organhandel.

Wenn die Kinder unbewacht alleine im Zimmer liegen und schlafen, werden sie kurz betäubt, bekommen andere Klamotten an, kurz eine Perücke übergezogen, und dann spaziert man mit einem schlafenden Kind aus der Hotelanlage und fährt mit einem Taxi los. Wer fragt denn nach, ob das das richtige Kind ist? Keiner! Man schaut hinterher und sagt vielleicht „Och, wie süß, das Kind schläft“.

Gibt es eine Möglichkeit, sich zu schützen?

Jander: Es gibt sogenannte Fußfesseln für kleine Kinder. Dadurch kann man jederzeit nachvollziehen, wo das Kind ist. Ich persönlich würde sagen: Das Kind nie alleine in fremder Umgebung lassen. So haben wir es auch bei unseren beiden Kindern gemacht, als sie klein waren, auch auf dem Campingplatz, wo man der Meinung ist, der Nachbar passt auf. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Also bleibt man auf der Veranda oder im Zimmer, bis das Kind ausgeschlafen hat.

Wie sieht es mit der Gefahr in Deutschland aus?
Jander: Auch in Deutschland muss man leider damit rechnen, wie schon oben erwähnt, hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Und es passiert ja auch hier, es werden Kinder entführt, sogar aus dem Krankenhaus. Ich denke, man sollte Hotels aussuchen, die explizit damit werben, dass Sicherheit gewährleistet ist, dass auf die Kinder aufgepasst wird und dass sie nur an die Eltern zurückgeben werden.

Es gibt schon Betreuungseinrichtungen, da wird ein spezielles Passwort vereinbart. Über eine Kleidermarke wie an der Garderobe kann man geteilter Meinung sein, wenn die einer findet, bekommt er das Kind. Nein, so geht das nicht, ich denke, hier muss noch einiges getan werden, auch in der Hotellerie.

Wie sehen Sie die Zukunft der Sicherheit von Kindern im Hotel?
Jander: Gerade in diesen Bereichen wird sehr wenig getan, leider ist seitens der Hotelbetreiber eine gewisse Gleichgültigkeit da, und auch manche Eltern sind sich nicht bewusst, welchen Gefahren sie ausgesetzt sind. Und solange es solche Konstellationen gibt, kann man bezüglich des Themas Sicherheit im Urlaub auch nicht viel machen.

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