Slow-Tourismus als Mittel gegen die Landflucht
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Slow-Tourismus als Mittel gegen die Landflucht

23.03.2016 | Laura Becker

So wie es Slow Food gibt, existiert auch der Slow-Tourismus: In vielen Regionen Deutschlands ziehen Menschen aus den Dörfern in die Städte — man spricht von Landflucht. Mit Tourismus könnten die Dörfer wiederbelebt werden

Bildquelle: Sascha Brenning - Hotelier.de
Bildquelle: Sascha Brenning - Hotelier.de

Immer mehr junge Menschen ziehen in Deutschlands Großstädte. Hier sehen sie größere Chancen auf ein angenehmes Leben. In den Dörfern bleiben die älteren Generationen zurück. Ein Problem, mit dem sich wenige Menschen befassen. Wenn die Dörfer für junge Menschen unattraktiv sind, werden sie dort keine Kinder großziehen — ergo sterben die Örtchen aus. In Italien gibt es eine Lösung dasselbe Problem. Auch hier altert die Bevölkerung, so wie in vielen europäischen Ländern. Strukturschwache Regionen werden mit authentischem Tourismus wiederbelebt.

Landeskultur aus nächster Nähe

Italien — wer von dem Land hört, der denkt an Kultur, Gemälde, das Römische Reich. Im Süden des Landes gibt es einige Gebiete, die Touristen frequentieren. Außerhalb dieser Hotspots ist im Süden wenig los — ein Problem für die Bewohner der Region.

Immer mehr Menschen versuchen, vom Tourismus zu leben. Das funktioniert im Süden Italien besonders gut. Hier gibt es eine Jahrhunderte alte Kultur, die viele Menschen gerne aus nächster Nähe kennenlernen würden. Unter Kultur kennenlernen ist nicht gemeint, an einer Touristenführung teilzunehmen. Stattdessen sollen Urlauber mit Einheimischen zusammenleben, mit ihnen kochen, angeln und anderen authentischen Tätigkeiten nachgehen.

Funktioniert Slow-Tourismus in Deutschland?

Was die Italiener um die Jahrtausendwende für sich entdecken, ist als Slow-Tourismus bekannt. Es handelt sich um einen Trend der Reisebranche, bei dem sich alles um Nachhaltigkeit, Langsamkeit und Sinnlichkeit dreht. Ziel ist es, dass der Urlauber seine Umgebung intensiv und authentisch wahrnimmt. Diesen Wunsch verspüren immer mehr Menschen, die in einer Gesellschaft leben, in der das Stressniveau von Jahr zu Jahr zu steigen scheint. Dieser Hektik möchten sie entfliehen — und das ist in der Natur und in abgelegenen Dörfern möglich.

Wie der Name vermuten lässt, wurde Slow-Tourismus von Slow-Food geprägt. Es ist das Gegenteil der Pauschalreisen und zielt auf Qualität anstelle von Quantität ab. Nun stellt sich die Frage, ob diese Art von Tourismus auch in Deutschland geeignet ist. Auf diese Antwort gibt es eine klare Antwort: Ja. Laut dem Statistischen Bundesamt gab es in Deutschland im Januar 2016 fünf Prozent mehr Übernachtungen als im Vorjahr. Immer mehr Deutsche entdecken ihre Heimat für sich. Doch auch ausländische Touristen reisen häufiger in die Bundesrepublik (plus sechs Prozent).

Für Deutschland spricht unter anderem das Kulturprogramm: Es gibt 39 Weltkulturerbestätten. Auch das Landschaftsbild ist einmalig: Touristen finden alles angefangen vom Gebirge bis zum Strand.
Eine Zielgruppe definieren

Deutschland besitzt gute Voraussetzungen, aus verlassenen Dörfern Touristenziele zu verwandeln. Einheimische müssen nur noch überlegen, wie sie Urlauber ansprechen. Als Inspiration können die Reisewelten von DER.com dienen: Die Reisebürokette hat erkannt, wie vielfältig Reisen heutzutage sind. Es wird klar, dass Reisen mehr als nur ein Urlaub sind: Sie können in Reisearten, nach Interessen sowie Reisegruppen eingeteilt werden.

Einheimische müssen folglich überlegen: Wofür steht meine Region und wie kann ich diese Eigenschaft zu meinem Vorteil nutzen? Es gibt Regionen in Deutschland, die im Bereich Kulinarik punkten, andere sind geeignet, um sich sportlich zu betätigen.

Neben den Interessen sollte auch ein Fokus auf die Zielgruppe gelegt werden: Ein Bauernhof kann sich beispielsweise auf Familien aus Städten fokussieren, die einen Einblick in das authentische Landleben erhalten möchten. Ein abgelegenes Dorf an einem wunderschönen See könnte sich darauf fokussieren, Brautpaare anzuziehen, die hier heiraten und ihre Flitterwochen verbringen.

Durch den Fokus auf bestimmte Interessen oder Zielgruppen wird eine gewisse Unität erreicht, von der das ganze Dorf beziehungsweise die Region profitieren kann.
Slow-Urlaubsangebot gestalten

Einsteiger in den Bereich Slow-Tourismus müssen sich mit den Kerngebieten dieser Reiseart vertraut machen und überlegen, wie sie diese umsetzen können. Ziel ist es, eine Art zweites Zuhause zu schaffen, welches ruhiger und stressfreier als das Erste ist.

Einige Anregungen:

  • Kein Internetzugang in dem Feriendomizil. Aushängeschilder weisen darauf hin, Notebooks, Smartphones und Co. ausgeschaltet zu lassen.
  • Der Tag beginnt mit einem traditionell zubereiteten Frühstück, welches je nach Jahreszeit im Freien oder neben einem Kaminofen serviert wird.
  • Nach dem Frühstück können Touristen entscheiden, wie sie ihren Tag gestalten. Eine Möglichkeit wäre es, sich die Tierwelt der Region von einem Experten erklären zu lassen.
  • Am Abend werden alle Urlauber zu einem authentischen Kochkurs eingeladen, in dem sie Generationen alte Rezepte erlernen können.

Das Angebot bewerben

Die Zielgruppe ist gefunden, das Angebot wurde erstellt — nun muss das Gesamtpaket beworben werden. Das Marketing ist die schwerste Aufgabe, insbesondere im Bereich Slow-Tourismus. Diese Art zu Reisen bedient derzeit eine kleine Gruppe, sodass fokussiertes Marketing vonnöten ist, um auf das Angebot aufmerksam zu machen.

Ein Mindestmaß an Eigenwerbung ist mit einer eigenen Webseite möglich. Diese sollte alle wissenswerten Informationen zur Region, den Sehenswürdigkeiten und Aufenthaltsmöglichkeiten bieten. Wer mit geringen Budgets arbeitet, kann Webseiten auch ohne große Kenntnisse mit Open-Source-Lösungen realisieren.

Zusätzlich zu einer Webseite ist es ratsam, Interessenten direkt anzusprechen. Artikel in Zeitungen, Reisemagazinen oder ähnlichen Angeboten sind eine direkte Ansprache an Menschen, die sich für Slow-Tourismus interessieren könnten.

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