Was bedeutet 2G und 3G für Gastronomie und Hotel?
Kostenlose Anfragen an unsere Lieferanten stellen und Preisinformationen erhalten

Was bedeutet 2G und 3G für Gastronomie und Hotel?

28.08.2021 | Wolfgang Ahrens Hotelier.de

In Hamburg geht es nun mit einem neuen Corona-Experiment weiter. Die Politik will trotz erneuter Feststellung der epidemischen Lage von nationaler Tragweite keine Impfpflicht einführen, nun soll es die Wirtschaft richten, allen voran die gebeutelte Gastronomie: seit heute können sich Restaurants und Hotels für 2G, 3G und Mischformen entscheiden. Doch wie immer liegt der Teufel im Detail, wie die Regelungen in anderen Bundesländern wie z.B. Niedersachsen zeigen 

Kämpft auch mit Entscheidungen - der Nobiskrug auf St. Pauli. Wer deutschen Kneipen-Seeligkeit liebt, ist hier genau richtig, Bildquelle Hotelier.de
Kämpft auch mit Entscheidungen - der Nobiskrug auf St. Pauli. Wer deutschen Kneipen-Seeligkeit liebt, ist hier genau richtig, Bildquelle Hotelier.de

Was 2G und 3G ist, wissen wir nach mehrmaligen Fernsehreportagen und dem Lesen entsprechender Zeitungsberichte wohl alle: 2G betrifft den Personenkreis der Geimpften und Genesenen, 3G den der Geimpften, Genesenen oder Getesteten. Hamburg startete am 28.08.2021 das 3G-Modell mit 2G-Option.

Wofür steht 2G in der Branche?

Die Hotels, Gaststätten und Restaurants sowie Kinos, Theatern und Sportvereinen dürfen sich seit Samstag, den 28.08.2021 in Hamburg entscheiden, ob sie nur noch Geimpfte und Genesene gemäß 2G Standard einlassen. Der Vorteil gegenüber den Hinweise zu Warnstufen von Baden-Württemberg, Niedersachsens und Rheinland-Pfalz und anderen Bundesländern bei oberflächlicher Analyse: es ist relativ einfach und die Corona-Restriktionen fallen größtenteils weg, es gelten keine Abstandsregeln, das Publikum darf sich frei und ohne Maske an den Tresen und Separees tummeln, die Lokale dürfen ihre vollen Kapazitäten ausfahren.

Musikclubs auf dem Kiez können wieder in geschlossenen Räumen bis 1.300 Gäste einladen, Outdoor bis 2.000, beim Tanzvergnügen drinnen bis 150 und draußen 750 Gäste. Beim Tanzen muss aber Maske getragen werden. 

Andere Gastronomen wie in Berlin gehen noch weiter. Der Berliner Promi-Gastronom Josef Laggner 'geht auf Nummer sicher' und führt die 1G-Regel ein

Was gilt für 3G?

Nur Geimpfte, Genesene oder Getestete haben Einlass zu den genannten Unternehmen. Und bei 3G gelten nicht die vielen Freiheiten

Wer nicht vollständig geimpft ist oder nicht als genesen gilt, muss künftig weiterhin einen Antigen-Schnelltest (maximal 24 Stunden alt) oder einen PCR-Test (maximal 48 Stunden alt) vorlegen. Tests werden damit zur Voraussetzung zum Beispiel für den Zugang oder Eintritt zur Innengastronomie, Festen und Veranstaltungen, zum Besuch des Friseurs oder des Kosmetikstudios. Gleiches gilt für Sport im Innenbereich oder Beherbergungen etwa in Hotels und Pensionen.

Die Restriktion der AHA+L-Regel gilt weiter, also der Schutz vor einer Infektion durch die Basisschutzmaßnahmen. Dazu gehören die Grundregeln wie Abstand halten, Händehygiene, in Innenräumen Masken tragen sowie regelmäßiges Lüften in Innenräumen.

Wer kontrolliert 2G und 3G?

Der Unternehmer oder die Verantwortlichen eines Vereins. Sie müssen sich Personalausweis und ggf. Impfnachweis zeigen lassen. Übertrifft die Inzidenz 100, gilt die 3G-Regel auch draußen für Open Air- und Life Veranstaltungen oder den offenen Plätzen der Vereine.

Was sagen Betriebsleiter zu 2G?

Da fängt das Problem dann auch schon an: Wie viele meiner Gäste sind im Moment geimpft und genesen? Werden Gastronomen befragt, müssen auch sie schätzen. Szenegröße Dominik Großefeld, der Chef vom Silbersack auf St. Pauli meinte, 80 % seiner Gäste seien geimpft (Quelle Hamburger Abendblatt). Bei der Wahl der 2G Strategie wird er dann 20 % seiner Gäste los, da er keine Außengastronomie hat.

Andere mit mehr Platz wie das Vier-Jahreszeiten-Hotel an der Alster könnten Mischformen anbieten, doch dann schlägt wieder einmal die Stunde der deutschen Bürokratie.

Deshalb bleiben viele deutsche Hotels zunächst auch bei der 3G Regelung wie das Grand Élysée, weil ein großer Teil der Gäste wegbricht. Wer will, kann aber in seinem Haus auch nach 2G und 3G Standard differenzieren.

Was gilt bei 2G für die Mitarbeiter?

Wer 2G in seinem Restaurant einführt, muss sicherstellen, dass alle Mitarbeiter wie Köche und Servicekräfte durchgeimpft sind. Das mag für kleine Betriebe noch funktionieren, die sich dann eine freiwillige Auskunft beim Angestellten einholen. In größeren Häusern muss der Betriebsrat eingeschaltet werden. Wenn ein Mitarbeiter keine Auskünfte über seinen Impfstatus geben möchte, beruft er sich auf den Datenschutz. Die 2G-Regelung bliebt für solche Gastro-Betriebe dann ein Ziel der Zukunft.

Kneipen und Pubs, die keinen Ketten angehören, könnten aber schnell mehr 2G Vorteile erlangen. Sperrstunden zum Beispiel für die Gaststätten am Hamburger Berg gehören dann der Vergangenheit an - die Mund-zu-Mund-Propaganda unter den Hedonisten sorgt dann schnell dafür, dass diese Bars wieder Vollbetrieb haben.

Wie lief 2G bisher am Wochenende (28.8./29.8.2021) in Hamburg?

  • Ca. 270 Betriebe haben sich seit dem 26.08.2021 (Beginn der Aktion) angemeldet. Wer arbeitet mit 2G bereits? Roschinsky's und Rosis's Bar am Hamburger Berg sowie Safari Bierdorf auf der 'Großen Freiheit'. 
  • Speziell Clubs und Bars haben sich angemeldet, allein ca. 100 Betriebe aus Hamburg Mitte
  • Ein Betrieb musste wegen 2G-Mängeln geschlossen werden

Was machen Fitnessstudios bei 2G?

Sie behalten in Hamburg in der Regel im Moment die Maskenpflicht bei.

Finanzhilfen des Bundes

Diese Hilfen gibt es im Moment nur für Unternehmen, die Kapazitätsbeschränkungen unterliegen. Für den 2G Standard gibt es zurzeit keine Regelungen.

Hinweise zu Restriktionen in Bundesländern und bundesweiten Verfügungen

  • Niedersachsen Warnstufen und Leitindikatoren: Es gibt drei Warnstufen in Niedersachsen. Die nächst höhere Stufe greift, wenn mindestens zwei der Leitindikatoren den entsprechenden Wertebereich für einen Zeitraum von fünf aufeinander folgenden Werktagen erreichen.

    Dies wird von den Kommunen per Verfügung verkündet und gilt dann in der Regel ab dem übernächsten Tag, und zwar mit dem Leitindikator der "Neuinfektionen", dem Leitindikator der "Hospitalisierung" gemäß der landesweiten Belegung von Krankenhäusern mit COVID-19-Erkrankten je 100.000 Einwohnern im Durchschnitt der letzten sieben Tagen (7-Tages-Hospitalisierung-Inzidenz) und dem Leitindikator der "Intensivbetten". Dieser bestimmt sich nach dem landesweiten prozentualen Anteil der mit COVID-19-Erkrankten belegten Intensivbetten an der Intensivbetten-Kapazität.

    Die Zahlen werden von dem Interdisziplinären Versorgungsnachweis IVENA eHealth bestimmt. Fallzahlen siehe Corona Dashboard Niedersachsen
  • 10.09.21: Baden-Württemberg  legt Warn- und Alarmwerte fest. Die Situation in den Krankenhäusern ist entscheidend für Warnstufe mit der 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz und nachfolgender Alarmstufe. Diese beinhaltet dann die 2G-Regelung. https://www.baden-wuerttemberg.de

  • Bayern 3G: Es gibt nur noch einen relevanten 7-Tage-Inzidenzwert von 35. Von diesem Inzidenzwert hängt im Regelfall ab, ob 3G gilt oder nicht.

  • Berliner Senat: Bei 2G fällt die Maskenpflicht - Veranstalter können selbst entscheiden, ob sie künftig nur noch Geimpfte und Genesene einlassen. Die Maskenpflicht entfällt bei der 2G-Regel.

  • Brandenburg mit 2G Option, 14.09.2021: Mit der neuen Corona-Verordnung wird die Sieben-Tage-Hospitalisierungsinzidenz neuer Leitindikator zur Beurteilung der gesamten pandemischen Lage. Außerdem wird in Brandenburg die 2G-Regel als Option für bestimmte Bereiche wie zum Beispiel Innengastronomie, Veranstaltungen wie Meetings und Beherbergung eingeführt (Zutritt nur für Geimpfte, Genesene und Kinder unter 12, dafür kein Abstand, keine Maske und keine Beschränkung der Personenzahl). https://www.brandenburg.de/

  • Bremen bleibt vorerst bei der 3G-Regel für die Gastronomie. https://www.inneres.bremen.de/corona-die-haeufigsten-fragen-und-antworten-23460 

  • HessenDas Infektionsinzidenz wird abgelöst und 2G-Optionsmodell eingeführt. https://www.hessen.de/

  • Mecklenburg-Vorpommern arbeitet mit einer komplizierten Corona-Warnkarte und Stufenplan. Download einer Übersicht der Maßnahmen, die bei den jeweiligen Stufen gelten

  • Nordrhein-Westfalen: Beim Übersteigen der Sieben-Tage-Inzidenz gilt die 3G-Regel. https://www.land.nrw/corona

  • Rheinland-Pfalz führt 2G Plus Regeln (2G +) ein und neue Corona-Warnregeln: https://www.rlp.de/

  • Saarland: Da sich das Infektionsgeschehen im Saarland seit Beginn der Corona-Pandemie immer  geändert hat, wurden die Regelungen immer wieder angepasst. Welche Maßnahmen aktuell gelten, zeigt diese Übersicht.

  • Sachsen und Sachsen-Anhalt wollen 2G Modell einführen. Siehe aktuelle Bekanntmachungen des Freistaates Sachsen: www.coronavirus.sachsen.de

  • Schleswig-Holstein belässt es (am 15.09.21) bei den 3G-Regeln. https://www.schleswig-holstein.de/

  • Thüringen: 2G-Regeln werden geprüft https://corona.thueringen.de/ 

  • Wann werden COVID-19-Tests kostenpflichtig? Jens Spahn vom Bundesgesundheitsministerium hat vorgeschlagen, die Tests ab Oktober 2021 kostenpflichtig zu machen
  • Für wen sind diese Tests weiterhin kostenlos? Menschen, die z.B. aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können oder für die es keine Impfempfehlung gibt wie für Kinder und Schwangere
  • Die Koalitionsfraktionen von Union und SPD wollen die Feststellung der epidemischen Lage von nationaler Tragweite erneut verlängern Mehr Information www.bundestag.de/

Tipps

Andere Presseberichte